Wein kaufen, in den Keller legen und nach vielen Jahren einen Gewinn an Genuss einstreichen – lohnt sich das? Dem Mythos Weinlagerung auf der Spur.

Welcher Weinfreund träumt nicht davon, im Keller der Lieblingstante eine eingestaubte, jahrzehntealte Trockenbeerenauslese von der Mosel zu finden, die wahlweise ein kleines Vermögen wert ist oder einfach nur umwerfend gut schmeckt? Derlei Funde sind aber höchst selten, weil Lieblingstanten entweder nichts von der Mosel wissen oder dazu neigen, vermeintliche Raritäten einfach zu lange zu vergessen, mit dem Ergebnis, dass der ekstatisch geborgene Fund sich als ungenießbar erweist.

Wer Wein ernsthaft lagern will, um im Alter einen außergewöhnlichen Tropfen im Glas zu schwenken, der muss erstens zielstrebig darauf hinarbeiten. Zweitens braucht er eine ideale Umgebung, wie man sie in Zwei-Zimmer-Wohnungen eher selten vorfindet. Und drittens muss er wissen, was er sich auf die hohe vinophile Kante legt, weil sich nur wenige Weine dafür eignen, ein, zwei oder drei Generationen zu überdauern.

Wie sieht die optimale Lagerung aus?

Dunkel, kühl und konstant: Das sind die drei wesentlichen Voraussetzungen, um Wein über Jahre hinweg zu lagern. Dunkel deshalb, weil Licht, und hier vor allem die UV-Strahlung, für eine zu schnelle Reifung des Weins sorgen kann. Die Temperatur des Lagerplatzes sollte zudem im Idealfall das ganze Jahr über zwischen 10 und 13 Grad liegen, das gilt für Rot- und Weißweine gleichermaßen. Aus diesem Grund ist ein gemauerter Keller unterm Einfamilienhaus schon ein Ort, an dem sich der Wein wohlfühlt und langsam entwickelt. Allerdings sollte die Waschmaschine nicht in unmittelbarer Nähe stehen, weil ständige Erschütterungen dem edlen Tropfen nicht guttun: Durch Vibrationen wird das aus Farb- und Gerbstoffen bestehende Depot des Weins aufgewirbelt; geschieht dies ständig oder regelmäßig, wirkt sich dies negativ auf den Reifeprozess und somit auch auf den Geschmack aus. Und schließlich gilt natürlich noch: den Wein immer liegend lagern, damit der Korken stets von Flüssigkeit umspült ist und somit nur ganz wenig Sauerstoff eindringen kann.

Was kann die Lagerung bewirken?

Aber was legt man sich am besten in den Keller? Nun, das kommt darauf an, welchen Trinkgenuss man haben möchte. Natürlich gibt es Weine, die am besten innerhalb weniger Monate getrunken werden sollten; dazu gehören leichte, frische Weißweine sowie die meisten Rosés. Aber viele Weine werden einfach zu jung getrunken, dies gilt vor allem für hochwertige Weißweine, die ihren Höhepunkt häufig erst nach fünf Jahren erreichen. Zu den frischen Fruchtaromen der Jugend, die sich zwar ebenfalls langsam abschwächen, gesellen sich bei ihnen nach und nach weitere Aromen hinzu, Noten von Blütenhonig und gedörrten Früchten, bis eine perfekte Harmonie entsteht. Die Säure tut ein Übriges. Sie baut sich zwar nicht ab, wird aber geschmacklich schöner eingebunden. Ecken und Kanten verschwinden, an ihre Stelle treten Eleganz und Feinheit. Wer einen solchen Wein zu jung trinkt, verpasst etwas.

Welche Weine können lange altern?

Und dann gibt es natürlich auch jene Weine, die selbst im hohen Alter noch sensationell schmecken können. Dies trifft im weißen Segment vor allem auf Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen mit hohem Restzuckergehalt zu, wie sie etwa in schöner Regelmäßigkeit an Rhein und Mosel hervorgebracht werden. Aber auch Portweine, Madeira und Tokajer können uralt werden. Bei den Rotweinen spielt der Restzucker keine so wichtige Rolle bei der Lagerfähigkeit, hier sind es vor allem die Farb- und Gerbstoffe, aus denen sich im Laufe der Jahre und bisweilen Jahrzehnte hochmolekulare aromatische und weich schmeckende Tannine bilden. Im Barrique ausgebaute Rotweine werden darüber hinaus durch den intensiveren Kontakt mit dem Holz vielen weiteren Aromen ausgesetzt, die sich erst im Laufe der Zeit zu einem perfekten Wein vermählen. Allerdings, und das ist ganz wichtig: Nicht jeder Jahrgang ist gleich – und nicht jeder Jahrgang eignet sich für eine lange Lagerung. Wer hier auf Nummer sicher gehen will, der sollte sich am besten in Weinzeitschriften oder entsprechenden Blogs im Internet über die jeweiligen Jahrgangsbewertungen informieren.

Dies trifft vor allem für jene zu, die sich ganz bewusst mit einem Vorrat für die Zukunft eindecken wollen. Denen sei die Subskription empfohlen, wie sie vor allem für Weine aus Bordeaux und Burgund üblich ist. Dabei erwirbt man das Anrecht auf eine bestimmte Anzahl von Flaschen des jeweils jüngsten Jahrgangs, die aber noch gar nicht im Handel erhältlich sind. In aller Regel sind diese Weine dann zum Teil erheblich günstiger als nach der Belieferung des Handels. Ist der Jahrgang besonders gut geraten, können die in der Subskription erstandenen Tropfen dann auch schon mal eine erhebliche Wertsteigerung erfahren. Manche Sammler nutzen dieses Instrument und verkaufen später ihre Weine wieder. Die meisten aber freuen sich über das Schnäppchen, das fortan im Keller seinem Höhepunkt entgegenreift.

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