Währungen: Dollar und Renminbi – brechen die Dämme?

Wer die Lage auf den Währungsmärkten verfolgt, wartet gespannt auf zwei Ereignisse: Wann durchbricht der Euro/Dollar-Kurs die Marke von 1,10 und wann sind mehr als 7 Yuan für einen US-Dollar zu bezahlen?

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
26.06.2019

Stimmt unsere These vom US-Dollar als einer anti-zyklischen Währung – der Dollar wertet in Phasen konjunktureller Verlangsamung eher auf als ab und umgekehrt – wäre eine moderate Dollar-Aufwertung keine Überraschung. Zumal unseres Erachtens die geldpolitischen Absichten beider Notenbanken weder für die eine noch für die andere Währung ausschlaggebend sein sollten.

Dollar und Renminbi

Euro/US-Dollar

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

Renminbi/US-Dollar (r. Sk.)

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

Schnell könnten mehr Marktteilnehmer auf den Zug einer stärker werdenden amerikanischen Währung aufspringen. Die chinesische Währung ist noch weit davon entfernt, international als Transaktionsmedium zu fungieren, reflektiert aber bereits sehr gut Trends auf den internationalen Kapital- und Devisenmärkten. Zuletzt wurde darüber spekuliert, ob China nicht bereit wäre, mit einer Abwertung die US-Zölle zu konterkarieren – theoretisch wäre das möglich. Praktisch aber hätte es unangenehme Konsequenzen:

  • China könnte von Seiten der US-Regierung als „Währungsmanipulator“ deklariert werden
  • ein schwächerer Renminbi würde weitere Währungen aus den Emerging Markets (EM) mit nach unten ziehen
  • ein Kapitalabzug aus dieser Region wäre die Folge – die Vermögenspreise würden sinken, die Finanzierungsbedingungen sich verschlechtern
  • eine globale Flucht in „sichere Häfen“ würde eintreten
  • Chinas Devisenreserven könnten abschmelzen und die globale Konjunktur würde weitere Dynamik einbüßen.

Die Anlagepolitik steht in den nächsten Monaten vor manchen Unwägbarkeiten. Die meisten Risiken sind bekannt, allerdings nicht, wann sie sich wie und mit welcher Intensität entfalten. Ein gutes Risikomanagement ist daher von hoher Bedeutung.

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