Finanzierung von Stiftungen – wie sie auch im Niedrigzinsumfeld Erträge erzielen

Um ihren Zweck erfüllen zu können, sind Stiftungen auf laufende Einnahmen aus ihren Kapitalanlagen angewiesen. Das wird in Zeiten extrem niedriger Zinsen immer schwieriger. Doch es gibt Lösungsmöglichkeiten.

Finanzierung von Stiftungen – eine Herausforderung 

Stiftungen werden immer wichtiger in unserer Gesellschaft. Denn sie erfüllen die unterschiedlichsten Aufgaben – sei es Umwelt- oder Tierschutz oder die Lösung sozialer Probleme. „Und das ist gerade in einer Zeit, in der viele Staaten hoch verschuldet sind, für jede Gesellschaft von enormer  Bedeutung“, erläutert Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser. Jedoch sind die langfristige Erfüllung dieser Aufgabe und die Deckung der laufenden Kosten in einem Umfeld extrem niedriger Zinsen nicht einfach. 

Das Problem lässt sich gut an 10-jährigen Bundesanleihen illustrieren. Rentierten sie in den 1990er-Jahren noch bei rund 6 Prozent Rendite und damit zeitweise deutlich über der Inflationsrate, so stellt sich dies heute ganz anders dar. Anfang Juni 2019 lag die Rendite im negativen Bereich, während die Inflationsrate im April laut dem Statistischen Bundesamt auf Jahresbasis bei 2,0 Prozent lag. „Das bedeutet, dass Investoren damit nur eines ganz sicher machen“, so Allgeier, „nämlich reale Verluste.“ 

Stiftungen sollten ihren Anlagehorizont erweitern

Stiftungen müssen deshalb ihren Anlagehorizont erweitern. Das gilt insbesondere dann, wenn in den Anlagerichtlinien nur oder vor allem mündelsichere Papiere wie Bundeanleihen oder Schatzbriefe vorgesehen sind. „Dann sollten dort dringend andere Anlagekategorien wie Unternehmensanleihen oder Anleihen aus den Schwellenländern oder Aktien Berücksichtigung finden.“ Denn so können Stiftungen das Rendite-Risiko-Profil ihres Portfolios verbessern. Schließlich entwickeln sich die einzelnen Anlageklassen je nach Marktumfeld unterschiedlich. 

Aktien im Portfolio unerlässlich

So weisen sichere Staatsanleihen und Aktien gelegentlich eine negative Korrelation zueinander auf. Das heißt: Laufen Aktien gut, dann sinken die Kurse von Staatsanleihen und deren Renditen steigen und umgekehrt. Die Berücksichtigung von Aktien ist im aktuellen Umfeld aber noch aus einem anderen Grund unerlässlich. „Langfristig“, so Allgeier, „gibt es keine renditestärkere Anlageklasse.“ Globale Aktien bringen seiner Ansicht nach langfristig rund 5 bis 7 Prozent Rendite – im Schnitt und pro Jahr.

In den Anlagerichtlinien selbst legen Stiftungen dann fest, welche Mindestbonität Anleihen haben müssen oder in welchen Grenzen sich die Gewichtung der einzelnen Anlageklassen bewegen darf. „Die neutrale Quote für Aktien zum Beispiel liegt oftmals bei 20 bis 30 Prozent. Wer risikofreudiger ist, geht darüber hinaus, vorsichtige Stiftungsvorstände können sie auf maximal 20 Prozent begrenzen.“ Dabei empfiehlt der Anlageexperte, auch im Aktienbereich auf eine breite Streuung zu achten und im Rahmen einer taktischen Allokation rund 30 Prozent über die gewünschte Obergrenze hinauszugehen. Will eine Stiftung also 20 Prozent Aktien als neutrale Quote beimischen, dann ergibt sich eine Obergrenze von 26 Prozent. „Die Idee dahinter ist, dass eine Stiftung so die Aktienquote in guten Marktphasen taktisch auch mal nach oben fahren kann“, erklärt der Anlageprofi.  

Mit Nachhaltigkeit Risiken reduzieren

Dabei treibt viele Stiftungsvorstände die Sorge vor Verlusten und der persönlichen Haftung um. „Verluste sind auf Jahresbasis immer möglich, weshalb die Kuponzahlungen und Dividenden stets ausreichend sein sollten, um die laufenden Ausgaben zu decken“, so Allgeier. „Und wer dann bei seinen Investments auf Qualitätsaktien setzt und sein Portfolio laufend überwacht, wird in aller Regel keinen Komplettverlust erleiden, sondern schlimmstenfalls vorübergehende Kursverluste.“ So hat der Dax laut dem Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts in der Vergangenheit nie länger als 12 Jahre gebraucht, um Verluste wieder aufzuholen. Selbst wer vor der Finanzkrise Ende 2007 in den Dax einstieg, lag Anfang 2013 wieder im Plus. 

Nachhaltige Investments rücken in den Fokus

Daneben sollten Stiftungen bei ihrer Anlage auf noch etwas achten: auf Nachhaltigkeit. „Eigentlich sind Stiftungen in diesem Bereich, auf den immer mehr Investoren aufmerksam werden, Vorreiter, da viele in den Anlagerichtlinien ohnehin Ausschlusskriterien haben“, so Allgeier. Das heißt, sie investieren in der Regel nicht in Waffen-, Glücksspiel- oder Tabakunternehmen. Doch geht es dabei längst nicht mehr nur darum, Gutes zu tun. Vielmehr weisen zahlreiche Studien nach, dass nachhaltige Geldanlage keinen Renditenachteil bringt und die Risiken senkt.
 
„Das lässt sich leicht nachvollziehen, da nachhaltig agierende Firmen eben nicht in Kontroversen um Umweltverschmutzung, Diskriminierung von Mitarbeitern oder Ähnliches hineingezogen werden“, resümiert der CIO. „Nachhaltigkeit ist für Stiftungen aber auch deshalb so wichtig, weil wir irgendwann nicht mehr mit der Frage konfrontiert sein werden, warum jemand nach ESG-Kriterien investiert, sondern warum jemand das nicht tut.“ Berücksichtigt eine Stiftung dies alles, dann ist es auch im aktuellen Niedrigzinsumfeld möglich, einen ausreichenden Ertrag zu erzielen.

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