Lohnt sich die Beimischung von Strategischen Metallen und anderen Rohstoffen in einem Portfolio? Chancen und Risiken für Anleger.

Gehören physische Rohstoffe ins Depot?

Während Aktien und Anleihen in der Regel den Hauptteil der liquiden Anlagen in den Anlegerportfolios darstellen, führen Rohstoffe ein Schattendasein. Zu Recht? Oder kann sich deren Beimischung auch lohnen?

Rohstoffanleger hatten es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Zwischen Anfang 2012 und Anfang 2016 hat sich der Rohstoffpreisindex des Hamburger Forschungsinstituts HWWI in Euro gerechnet mehr als halbiert. Zwar konnte sich der Index danach etwas erholen, doch seit Herbst 2018 ist er erneut im Abwärtstrend und notiert derzeit rund 32 Prozent unter dem Stand von 2012. Kein Wunder, dass Investoren Rohstoffe eher stiefmütterlich behandeln. Laut dem Datenanbieter Lipper teilt sich das in europäische Exchange Traded Funds (ETFs) investierte Geld zu 68 Prozent auf Aktien und zu 27 Prozent auf Anleihen auf. Rohstoff-ETFs kommen auf gerade mal 3 Prozent.

Zwar ist schwer vorhersehbar, ob und wann es zu einer Erholung bei den Rohstoffpreisen kommt. Doch unabhängig davon stellt sich die Frage, ob direkte Rohstoffinvestments als Beimischung in einem Portfolio grundsätzlich Sinn machen oder nicht. Ein Argument, das für Rohstoffe spricht, ist, dass sie zu den Sachwerten gehören und damit einen Inflationsschutz bieten können. Ein weiterer Grund für eine Beimischung kann aber auch der Diversifikationseffekt direkter Rohstoffinvestments sein.

Anlageportfolio: Auf die Korrelation kommt es an

Die Idee einer breiten Streuung der Anlage über Regionen, Branchen und Anlageklassen hinweg geht auf die moderne Portfoliotheorie des Nobelpreisträgers für Wirtschaft, Harry M. Markowitz, zurück. Er wies schon in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach, dass eine breite Diversifikation das Risiko in einem Portfolio, also die Kursschwankungen, reduzieren kann, ohne auf Rendite verzichten zu müssen. Oder dass ein solches gut diversifiziertes Portfolio bei gleichem Risiko eine höhere Rendite bietet.

Der Grund dafür, dass das funktioniert, ist die Korrelation zwischen verschiedenen Wertpapieren oder Anlageklassen. Dabei weist eine Korrelation von 1 darauf hin, dass sich zwei Anlagen exakt gleich verhalten, während eine negative Korrelation bedeutet, dass sie sich in unterschiedliche Richtungen bewegen. Europäische und amerikanische Aktien weisen mit 0,76 zum Beispiel einen relativ hohen Gleichlauf auf. Wer sein Portfolio diversifizieren möchte, sollte also Anlageklassen suchen, deren Korrelation zu Aktien oder auch zu Anleihen niedrig ist, vielleicht sogar negativ.

Aus dieser Sichtweise können Rohstoffe in der Tat eine interessante Portfoliobeimischung sein. Zu europäischen Aktien wiesen sie in der Vergangenheit eine Korrelation von lediglich 0,33 auf. Das heißt, fallen die Aktienkurse, dann machen Rohstoffpreise diese Bewegung im Schnitt nur zu einem Drittel mit. Und zu europäischen Staatsanleihen waren die Rohstoffmärkte in der Vergangenheit sogar negativ korreliert. Direkte Rohstoffinvestments scheinen also in der Tat das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern zu können.

Was Anleger bei direkten Rohstoffanlagen wissen müssen

Genau aus diesem Grund sind Rohstoffaktien auch keine Alternative. Sie profitieren zwar von steigenden Rohstoffpreisen ebenfalls, entwickeln sich in der Regel aber ähnlich wie der Aktienmarkt insgesamt. Allerdings gibt es einen Haken bei direkten Rohstoffanlagen. Denn abgesehen von Gold oder einigen sogenannten Technologierohstoffen wie seltenen Erden ist es unwirtschaftlich, Öl oder Kupfer zu kaufen und zu lagern. Wer direkt in Rohstoffe investieren möchte, muss deshalb auf sogenannte Exchange Traded Commodities (ETC) ausweichen.

Diese erwerben sogenannte Terminkontrakte, die die Lieferung des Rohstoffs zu einem bestimmten in der Zukunft liegenden Zeitpunkt verbriefen. Vor Ablauf des Kontrakts muss der ETC aber in einen Future mit einem späteren Fälligkeitstermin „gerollt“ werden. Dies kann, wenn dieser teurer ist als der vorhergehende Future – der Markt befindet sich dann im Contango –, Rollverluste mit sich bringen. Wer dort investiert, muss somit auch sehr genau wissen, wie solche Investments funktionieren und worin die speziellen Risiken liegen.

Dazu kommt die Frage, welche Rohstoffe langfristig überhaupt aussichtsreich sind und welche weniger. So könnte künftig die Nachfrage nach Technologiemetallen wie seltenen Erden oder Lithium, aber auch nach Nickel, das verstärkt in Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz kommt und dort Kobalt ersetzen soll, zunehmen. Dagegen ist beispielsweise der Ölpreis oft stark politisch beeinflusst und folglich nur sehr schwer zu prognostizieren.

Fazit: Eine Beimischung von direkten Rohstoffinvestments kann zwar grundsätzlich sinnvoll sein. Jedoch sind diese Anlagen für Privatanleger schwer selbst umzusetzen. 

 

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Foto: TRADIUM/Fotograf: Patrick Knecht

 

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