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Aktuelle Entwicklungen an den Kapitalmärkten

  • Goldener November

  • Weltwirtschaft mit Impfperspektive –
    Aktien-Dominanz hält an

  • Leicht steilere Renditestrukturkurven

  • Der Dollar muss weiter Federn lassen

  • Kann Gold weiter glänzen?

GOLDENER NOVEMBER

Auf einen teils sehr holprigen Oktober folgte ein goldener November für Aktien. Während „Stay-at-Home“- Werte, also Titel, die von Lockdown und Homeoffice profitieren, weiter gefragt waren, konnten vor allem auch Value-Aktien wieder Tritt fassen. Neben den Meldungen über tatsächliche Impfstoffe stützte auch eine weiter ultra-expansive Geldpolitik die Kurse. Anhaltend niedrige Kapitalmarktrenditen ließen den Goldpreis nach einer moderaten „Abfahrt“ bei 1.764 USD/Feinunze einen Boden finden; seitdem rangiert der Preis des wertvollsten Edelmetalls wieder oberhalb der Marke von 1.800 USD/ Feinunze. Dagegen musste der USDollar angesichts der globalen Konjunkturhoffnungen weiterhin Federn lassen. Nachdem EUR/USD zwischen Mitte August und Mitte November 2020 relativ stabil in der Bandbreite zwischen 1,16 und 1,19 oszillierte, brach das meistgehandelte Währungspaar Ende vergangenen Monats aus dem genannten Korridor nach oben aus und rangierte nach Überwinden der 1,20er Marke Anfang Dezember nördlich des wichtigen Widerstands bei 1,21.

WELTWIRTSCHAFT MIT IMPFPERSPEKTIVE – AKTIEN-DOMINANZ HÄLT AN

Nachdem die Weltwirtschaft das konjunkturelle Tal der Tränen mit Abschluss des dritten Quartals hinter sich gelassen glaubte, spitzte sich der Pandemie-Verlauf erneut zu. In Europa reagierte die Politik mit erneut teils drastischen Lockdown-Maßnahmen. In der Folge sackte der Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen drastisch ab (vgl. Chart). Dagegen entwickelten sich die Einkaufsmanagerindizes des Verarbeitenden Gewerbes nicht zuletzt dank der rapiden Konjunkturerholung in China erstaunlich resilient. Alles in allem dürfte die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im vierten Quartal jedoch erneut schrumpfen, wenngleich das Ausmaß des Wachstumsrückgangs nicht so stark ausfallen dürfte, wie beim initialen Corona-Schock im Frühjahr. Während sich das Minus für die EWU insgesamt auf rund vier Prozent belaufen sollte, dürfte das Q4-BIP in Frankreich gegenüber dem Vorquartal nochmals leicht stärker und in Deutschland dagegen mit „nur“ anderthalb Prozent zurückgehen.

EINKAUFSMANAGERINDEX FÜR EWU-DIENSTLEISTUNGEN SEHR UNTER DRUCK

Mit Blick auf das erste Quartal 2021 gehen wir von etwas mehr Rückenwind für die Eurokonjunktur aus, der jedoch zunächst begrenzt ist. Solange kein ausreichender Impf-Deckungsgrad besteht, können die Lockdowns im noch kalten Jahresbeginn kaum merklich gelockert werden – mit entsprechenden Konsequenzen für die Wirtschaft. Die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen Rezession hat sich gegenüber unserem Bericht zum Vorquartal mithin erhöht. Auch der weiterhin ungewisse Ausgang des Austritts Großbritanniens aus der EU hinterlässt konjunkturelle Bremsspuren. Vor diesem Hintergrund manifestiert sich die ultra-expansive geldpolitische Haltung der Notenbanken und flankiert über entsprechende Effekte auf die Laufzeitenstruktur von Staatsanleihen weiterhin die Aktienmärkte.

TECHNOLOGIE-WERTE HALTEN YTD DIE SPITZENPOSITION

Nach einem herausfordernden Monat Oktober „flogen“ Aktien im November auf breiter Front. So glänzte beispielsweise der deutsche Leitindex mit seiner besten Monatsperformance (+15 %) seiner dreißigjährigen Geschichte. Bei seinem europäischen Pendant, dem Euro Stoxx 50, standen nochmal drei Prozentpunkte mehr auf dem Tacho. Mit einem Plus von 12 % lieferte der Dow-Jones-Index amerikanischer Standardwerte den höchsten prozentualen Monatszuwachs seit Januar 1987. Während DAX 30 und EuroStoxx 50 ihre Vorkrisenniveaus selbst nach der signifikanten November-Rallye per Anfang Dezember noch knapp unterschreiten, rangiert der amerikanische Dow-Jones-Index leicht höher. Der wesentlich breiter gefasste S&P 500 liegt sogar recht deutlich über seinem Vorkrisenniveau, ganz zu schweigen vom Technologie-Index Nasdaq. Wenngleich eine partielle Rotation (von Wachstums- hin zu Value-Titeln) etwas Glanz vom bisherigen Krisengewinner nahm, bleiben Technologie- Werte auf breiter Front grundsätzlich unterstützt. Einerseits ist eine hinreichende Impfung der Weltbevölkerung alles weitere als umgesetzt und andererseits dürften einige der „Stayat- Home“-Trends auch nach der Pandemie eine Fortsetzung finden. Dennoch konnten im November insbesondere Aktien profitieren, die in den ersten Pandemie-Monaten besonders stark litten wurden. Besonders auffällig waren der Auftrieb bei Airbus (+40 %), der deutschen Lufthansa (+30 %) sowie Tui (+60 %). Auch Energiewerte wie Total und Royal Dutch Shell konnten dank Ölpreisfantasien punkten. Erwartungen an eine rasche globale Konjunkturerholung, in deren Fahrwasser die Zentralbanken zu einer Normalisierung der Geldpolitik übergehen, ließen auch Bank-Titel sprinten. Dass sich die Ölnotierungen in den kommenden Wochen sowie im ersten Quartal 2021 zunächst stabilisieren (bei Brent um Niveaus von 45 USD/Barrel), halten wir für wahrscheinlich. Zwar kratzte der Preis der Richtsorte Brent in Folge der OPEC-Einigung Anfang Dezember 2020 an der Marke von 50 USD/Barrel. Jedoch dürften die Notierungen aufgrund der teilweise holprigen Konjunkturentwicklung sowie mit Blick auf Erwartungen über ein zukünftiges Ölangebot seitens Iran (im Zuge einer konstruktiveren US-Außenpolitik) tendenziell unter Druck bleiben.

NIEDRIGE KAPITALMARKTZINSEN FLANKIEREN AKTIENRISIKOPRÄMIE

LEICHT STEILERE RENDITESTRUKTURKURVEN

Mit 0,98 % erreichte die zehnjährige USTreasury-Rendite Anfang Dezember den höchsten Stand seit März 2020. Mit einem Überwinden der psychologisch wichtigen Marke von 1,00 % rechnen wir (temporär) nur im Falle eines zeitnahen kleinen US-Fiskalpaketes. Sollten sich die aktuell deutlich steigenden Infektionszahlen in den USA wider Erwarten zügig umkehren, reicht unsere Rendite-Fantasie für das zehnjährige Laufzeitenspektrum der USTreasury-Kurve unter vorgenannter Bedingung bis maximal 1,20 % per Q1 2021. In der Eurozone ist das Renditebild ebenfalls tendenziell seitwärts bis abwärts gerichtet. Die zusätzlichen Quantitative-Easing-Maßnahmen der EZB auf ihrer geldpolitischen Dezember-Sitzung dürften dieses Szenario genauso flankieren wie die noch ausstehende Conclusio der strategischen Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie.

DER DOLLAR MUSS WEITER FEDERN LASSEN

Die positiven Impfstoff-Meldungen haben die Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr zur Normalität verstärkt und bei der US-Valuta für Gegenwind gesorgt. Der Dollar-Index, der die Entwicklung der US- zu sechs Leitwährungen misst, durchbrach Ende November 2020 die wichtige Unterstützung bei 91,731 Punkten und markierte in der ersten Dezemberwoche (mit 90,47 Indexpunkten) den niedrigsten Stand seit April 2018. Reziprok dazu erhielten wachstumsorientierte Währungen wie AUD, CAD und EUR Auftrieb.

KANN GOLD WEITER GLÄNZEN?

Einerseits flankieren die langfristig tief verankerten Kapitalmarktrenditen die Notierungen von Gold. Im Falle von geringem Sperrfeuer für die globale Konjunktur kommt es zudem zu Gold- Rückenwind durch den US-Dollar. Denn der Greenback neigt bei besseren Aussichten für die Weltwirtschaft zur Schwäche. Andererseits ist die globale Konjunkturentwicklung mit einigen Abwärtsrisiken ausgestattet. Neben einer anspruchsvollen Impf-Logistik und einem latenten Brexit-Risiko stellt die US-Fiskalpolitik ein beachtliches Konjunkturrisiko dar. Dieses Risiko-Bündel impliziert eine potentiell anziehende Nachfrage nach sicheren Anlagen. Kennt der Preis von Gold demnach nur eine Richtung? Mitnichten: Ende November sackte der Goldpreis durch die markante Unterstützung bei 1.832,62 USD/Feinunze. Per Anfang Dezember rangiert der Goldpreis mit 1.865 USD/Feinunze jedoch wieder leicht fester. Nicht zuletzt die wieder stark steigenden Corona-Infektionszahlen belasten das Sentiment an den Märkten. Angesichts der herausfordernden konjunkturellen Entwicklung im ersten Quartal 2021 sowie aufgrund des skizzierten Renditebildes dürfte Gold immer wieder „glänzende“ Momente haben. Wir bleiben übergewichtet.

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