Sind negative Zinsen Normalität? Und brechen bei der chinesischen Währung alle Dämme? Das waren zwei Fragen, die wir vor drei Monaten gestellt hatten. Sie sind heute allesamt zu bejahen.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
18.09.2019

Anfang August mussten mehr als 7 Renminbi für einen US-Dollar bezahlt werden. Der transatlantische Handelsstreit verschärfte sich daraufhin weiter. Gegenseitige Zollerhöhungen von chinesischer und amerikanischer Seite waren die Folge, und China geriet – wenig überraschend – von der US-Regierung in den Verdacht, als Währungsmanipulator zu agieren.

Die Aktienmärkte tauchten erst einmal ab, die Flucht in sichere Anlagen setzte mit ihren typischen Begleiterscheinungen ein. Der Goldpreis stieg und die Renditen fielen, sogar dramatisch. Mitte August war es dann soweit: Die Renditen für Bundesanleihen lagen für alle Laufzeiten unter 0%. Selbst für dreißigjährige Anleihen war die Rendite negativ. Die Aktienmärkte konnten sich in den letzten Monaten nicht recht entscheiden, welchem Impuls sie sich hingeben sollten. Die Konjunkturdaten waren insbesondere in der Eurozone enttäuschend. Die deutsche Industrie befindet sich bereits in der Rezession. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die deutsche Gesamtwirtschaft in eine technische Rezession fällt (nach der Schrumpfung der gesamtwirtschaftlichen Leistung im 2. müsste das auch für das 3. Quartal gelten), ist hoch.

US-Zinskurve und Arbeitslosigkeit

Zinskurve (10j.-3M.)

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

US-Arbeitslosenrate (r. Sk.)

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

Selbst für die US-Wirtschaft mehren sich die Stimmen, die eine Rezession befürchten. Als Indikator hierfür wird die inverse Zinsstrukturkurve herangezogen, also die Tatsache, dass die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen unter den zweijährigen Renditen (resp. der Geldmarktverzinsung) liegen. In der Tat waren solche Situationen oftmals, aber nicht immer, Vorboten von Rezessionen oder Lockerungen der US-Geldpolitik. Um es vorwegzunehmen: Während wir von der amerikanischen Notenbank in diesem Jahr insgesamt drei Zinsschritte nach unten erwarten, sind wir nicht der Überzeugung, dass die US-Wirtschaft kurz vor dem Eintauchen in eine rezessive Phase steht. Dafür sind der dortige Arbeitsmarkt und die Inlandsnachfrage noch zu robust.

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