Seit den Höchstständen Mitte vergangener Woche haben die Leitbörsen in den USA (S&P 500) und Europa (DAX 30 oder EuroStoxx 50) etwa 10% verloren. Gleichzeitig haben sich die Risikoprämien europäischer High Yield Anleihen im Mittel um 60 Basispunkte ausgeweitet. 10-jährige US-Staatsanleihen sind derweil unter 1,3% auf ein Allzeittief gefallen, und die vergleichbare Bundesanleihe handelt unterhalb von minus 0,5%.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
28.02.2020

Damit ist das Coronavirus mit voller Wucht in den Kapitalmärkten westlicher Industrienationen angekommen. Die Verkaufsaktivität wirkte dabei in einzelnen Marktsegmenten teilweise panisch.

Die Herde hat (zu) lange gewartet

Wir waren überrascht, wie lange die Märkte in Europa und den USA das Covid-19-Thema ignoriert hatten. Ein Grund war sicherlich die Erwartung, dass die Epidemie ein temporäres Phänomen bleibt. Und tatsächlich: in China, dem Ursprungsland der aktuellen Epidemie, befindet sich das Virus langsam auf dem Rückzug. Die Anzahl der Neuerkrankungen geht zurück. Das ist ein starkes Indiz dafür, dass die Covid-19 Epidemie tatsächlich ein temporäres Phänomen ist. Heftig, aber letztlich vorübergehend. Zu erwarten, dass das Ganze aber spurlos an Europa und den USA vorbeigeht, war aus unserer Sicht leichtsinnig und wir sind in diesen Regionen jetzt wahrscheinlich erst am Anfang der virulenten Ausbreitung. Die Nachrichtenlage wird sich demnach aller Voraussicht nach erst einmal für einige wenige Wochen verschlechtern, bevor eine Stabilisierung und anschließende Verbesserung der Situation eintritt.  Unklar ist derzeit nach wie vor, wie stark die realwirtschaftlichen Auswirkungen der Epidemie sein werden und wieviel der ausbleibenden Umsätze dauerhaft verloren gehen, also nicht im späteren Jahresverlauf nachgeholt werden. Der Blick auf aktuelle Wirtschaftsdaten und Stimmungsindikatoren aus dem Februar zeigt für Europa und die USA ein nach wie vor recht ausgewogenes Bild. Einer Verschlechterung der Daten im März wird unserer Erwartung nach die Ankündigung geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen durch Notenbanken und Regierungen gegenüberstehen. China praktiziert dies bereits, auch in Deutschland wurden entsprechende Rufe nach Konjunkturprogrammen geäußert. Es gibt aus unserer Sicht daher nach wie vor gute Gründe für die Zeit nach der Covid-19-Welle eine wirtschaftliche Erholung mit wieder sinkenden Risikoprämien und steigenden Aktienmärkten zu erwarten.

Auf Chancen vorbereiten

Wir haben bereits Anfang vergangener Woche damit begonnen, unsere Aktien- und Rentenportfolios vorsichtiger zu positionieren. Auch in den vergangenen Tagen haben wir punktuell Exposure in Aktien und High Yield Anleihen reduziert. Dabei fokussierten wir uns auf Titel, bei denen eine dauerhafte Reduzierung von Cash-Flow und Gewinnen zu erwarten ist, so dass eine spätere Erholung wahrscheinlich nur schleppend verläuft. Damit schaffen wir gleichzeitig „Luft im Portfolio“, um nach einer Beruhigung der Märkte qualitativ hochwertige Titel zu attraktiveren Konditionen zu erwerben. In turbulenten Marktphasen ist Vorsicht oberstes Gebot. Panik und Herdentriebe sind dagegen meist schlechte Berater.

Der EuroStoxx 50 kann kurzfristig durchaus auf die Tiefstwerte des vergangenen Jahres im Bereich von 3250 Punkten fallen. Auch beim US-amerikanischen S&P 500 sind weitere Verluste möglich. Der deutsche Leitindex steht mittlerweile unter der Marke von 12.000 Punkten und nähert sich damit den Tiefständen von Mitte 2019 als der DAX bei rund 11.500 Punkten stand. Solange keine unerwarteten Nachrichten aufkommen und die Märkte nicht deutlich unter diese Niveaus sinken, halten wir an unserer vorsichtigen Positionierung fest und raten von Panikverkäufen sowie massiven Absenkungen von Aktienquoten ab.

China FTSE 50

Eurostoxx 50

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