Man hat sich die letzten Jahre bereits daran gewöhnt: Wann immer die Konjunkturlage sich eintrübt und die Inflationsraten den Zielen der Notenbanken nicht gehorchen und nach unten entwischen, stehen die Zentralbanken parat. Ob allerdings der Versuch gelingt, mit Zinssenkungen und unkonventionellen Mitteln – wie Wertpapierkäufen – Konjunktur und Inflation anzukurbeln, darf immer mehr bezweifelt werden.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
16.09.2019

Die amerikanische Notenbank dürfte im Juli zum ersten Mal die Zinsen senken. Im September dürfte eine zweite Senkung folgen, und eine dritte Ende des Jahres. Es sind ihrerseits eher präventive Maßnahmen, um der globalen wirtschaftlichen Abschwächung frühzeitig ein geldpolitisches Signal entgegenzusetzen. Dadurch – so die Hoffnung – verbessern sich die Finanzierungskonditionen und die Volkswirtschaften als sich selbst regulierende Systeme finden wieder zu höherer wirtschaftlicher Dynamik zurück.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) strebt keine Normalisierung ihrer Geldpolitik an. Augenscheinlich hat sie die Kontrolle über die Inflation – wenn sie diese jemals hatte – verloren. Die Inflationserwartungen, die die EZB jahrelang bei etwa 2% verankern wollte, sind kollabiert. Dadurch und durch die um sich greifenden rezessiven Tendenzen in der Eurozone sieht sie sich zum entschlossenen Handeln gezwungen.

EZB-Leitzinsen und Inflationserwartungen

Hauptrefinanzierungssatz

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

Einlagensatz

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

Inflationserwartungen

Source: H&A, Thomson Reuters Datastream

So kam es auch am 12. September: Der Einlagensatz wurde auf -0,5% abgesenkt, ab November werden pro Monat 20 Mrd. Euro an Anleihen gekauft, zudem wird eine neue Serie von längerfristigen Refinanzierungsgeschäften gestartet. Die Zinsen sollen solange auf dem erreichten oder gar niedrigen Niveau verharren, bis die Inflation sich nachhaltig in Richtung von 2%, also dem Inflationsziel der EZB, bewegt. Die Wertpapierkäufe sollen erst kurz vor einer möglichen Zinserhöhung beendet werden. Aus heutiger Sicht spricht Vieles dafür, dass die Leitzinsen von den EZB-Geldpolitikern auch im nächsten Jahr nicht angehoben werden.

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