Zeedin-Portfolios erreichen bis zu 3 Prozent Outperformance gegenüber der Benchmark.

Sie sind für die Selektion der Aktienseite in Zeedin verantwortlich. Was waren Ihre Überlegungen in der Startphase?

In den ersten Wochen nach Marktstart von Zeedin stellte vor allem das Umfeld ein Risiko dar. Die Konjunkturängste in den USA und den Schwellenländern hatten zugenommen und die Aktienkurse verloren. Daher waren die ersten Monate auch recht anstrengend. Gemäß unserer bisherigen Strategie haben wir einen mehrstufigen Investmentprozess übernommen und vor allem auf Qualitätswerte gesetzt. Aus unserer Sicht sind Qualitätswerte Unternehmen mit einer starken Marktstellung, einer soliden Bilanz und überdurchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung – also idealerweise Unternehmen, die Marktführer sind und bei unseren Kunden einen bekannten Namen haben. Damit lag der Fokus auf stark kapitalisierten Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung über 10 Mrd. Euro. Auch war uns wichtig, die Region Asien/Australien zu betonen. Denn in dieser Region ist aus unserer Sicht die Bewertung gemessen am Wachstum weiterhin attraktiv.

Können Sie einige selektierte Unternehmen nennen? Wie passen diese Unternehmen zu Ihrer Investmentstrategie?

Generell befinden sich weniger zyklische Aktien im Portfolio, vielmehr liegt der Fokus auf strukturell wachsenden Unternehmen. Wir sind in den Bereichen Automobile und stationärer Handel komplett desinvestiert, weil beide Branchen vor strukturellen Herausforderungen stehen. So sind die Anforderungen der Automobilwerte hinsichtlich der E-Mobilität sehr hoch und der weiterhin stark wachsende Markt von E-Commerce stellt den stationären Handel vor Veränderungen.

Ein Beispiel ist das Unternehmen Visa. Die Marke Visa wird mit rund 100 Mrd. US-Dollar bewertet. Das Unternehmen profitiert von strukturellem Wachstum (Trend zum bargeldlosen Bezahlen, E-Commerce, aufkommende Mittelschicht in den Schwellenländern). Visa erzielt einen sehr hohen freien Cashflow, der für Übernahmen und Aktienrückkäufe verwandt wird. Ein ähnlich starkes Unternehmen ist L´Oréal. Seit Jahren kann das Unternehmen strukturell wachsen – dies wird sich mit der neuen, wachsenden Mittelschicht in China vorerst nicht ändern. Allerdings kaufen wir auch die Schwergewichte in Wachstumsregionen, beispielsweise in Indien. Demografisch wächst Indien signifikant, wodurch der Bedarf an Krediten steigt. Hiervon profitiert die Qualitätsbank HDFC Bank. HDFC ist rund 100 Mrd. US-Dollar groß und verfügt über sehr starke Bankenzahlen (zum Beispiel eine Eigenkapitalrendite um 17% bei einem Wachstum von über 20%).

2019 haben Sie mit Ihrem Ansatz die Benchmark um 3% outperformt. Was sind die Gründe? 

Wesentlicher Grund für die Outperformance liegt in der Selektion und hier im Fokus auf Qualitätswerte. Nahezu alle Unternehmen konnten einen positiven Beitrag zur Performance liefern. Hervorzuheben sind an dieser Stelle Facebook und L`Oréal mit über 30% Kursgewinnen. Aber auch Visa, SAP und Treasury Wine Estate konnten mit rund 25% begeistern. Insgesamt versuchen wir, relativ wenig Transaktionen zu tätigen. Seit Bestehen der Zeedin-Portfolios wurden sechs Unternehmen ausgetauscht, entweder weil das Kursziel erreicht war und attraktivere Investments existierten (zum Beispiel Diageo), oder weil sich die Rahmenbedingungen verändert hatten (zum Beispiel Anklagen im Rahmen von Geldwäscheverstößen bei der belgischen Bank KBC, Gewinnwarnung Fresenius).

Ist der Brexit für Sie und Ihre Titel ein Thema? 

Ja, der Brexit kann ein Problem für das Portfolio werden. Vor allem, da der Ausgang immer noch mit viel Unsicherheit verbunden ist – was genau das Parlament beschließen wird und wie die Märkte darauf reagieren werden. Allerdings sind wir zuversichtlich, dass Qualitätswerte in diesem Umfeld besser laufen werden. Unser direktes Exposure zu britischen Werten liegt bei Null. Neben dem Brexit ist aus unserer Sicht ebenfalls die neue eher populistische Regierung Italiens ein Belastungsthema geworden. Daher haben wir ebenfalls keine italienischen Aktien mehr im Portfolio.

Wie sehen Sie die Perspektive für Aktienmärkte allgemein und wie stehen die Chancen der Zeedin-Portfolios?

Nicht nur die Aktienseite, auch die Rentenseite ist in den Zeedin-Portfolios gut aufgestellt. Durch unsere Allokation profitieren die Portfolios von der Expertise auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite. Dementsprechend kann auch in schwierigen Aktienzeiten durch Anleihen ein Mehrwert erzielt werden. Gleichzeitig sollten die starken Qualitätsunternehmen in unsicheren Zeiten weiterhin Geld an die Aktionäre in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden zahlen können. Auch sollte strukturelles Wachstum ein wichtiger Bestandteil der Portfolios bleiben. Facebook wird vom Trend zur Online-Werbung auch in Zukunft profitieren. Die entstehende Mittelschicht in den Schwellenländern beziehungsweise die Erbengesellschaft in der entwickelten Welt wird konsumieren wollen, wovon die Luxusunternehmen profitieren werden. UnitedHealth wird von dem steigenden Bedarf an pharmazeutischen Produkten in Folge des demografischen Wandels profitieren, um nur einige Beispiele zu nennen.

Die Aussichten der Zeedin-Portfolios stimmen uns insgesamt zuversichtlich, da wir mit strukturell wachsenden Qualitätswerten positioniert sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

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