Mit Milliarden-Investitionen will China neue Märkte entwickeln. Entlang der Neuen Seidenstraße wachsen auch für deutsche Unternehmen neue Geschäftschancen.

 

Es ist ein Megaprojekt, das China zum Global Player machen wird, das 70 Entwicklungs- und Schwellenländern eine bessere Zukunft ermöglichen soll. Und es ist eine große Chance für Unternehmen aus Deutschland.

Deutsche Unternehmen beteiligen sich mit chinesischen Partnern

Mehr als ein Drittel der 2.500 Mitglieder der deutschen Außenhandelskammern in China sind bereits an einem von hunderten Projekten beteiligt, die von der chinesischen Regierung als „Belt and Road Initiative“ (BRI) bezeichnet werden. Dabei sind Multis wie Siemens, aber auch Mittelständler wie die Herrenknecht AG aus Baden-Württemberg, die in Pakistan Tunnels baut. Allerdings gilt: „Ohne chinesischen Partner kommt man nicht zum Zug“, erklärt Jens Hildebrandt, der Geschäftsführer der AHK in Guangzhou.

Die Belt an Road Initiative (BRI) als zentraler Pfeiler der Außenpolitik Chinas

Die auch als Neue Seidenstraße beworbene Initiative ist tatsächlich kein konkretes Projekt, „sondern ein Konglomerat von Vorhaben verschiedenen Ursprungs“, so AHVChef Hildebrandt. Am 7. September 2013 gab Chinas Präsident Xi Jinping in einer Universität des Nachbarlandes Kasachstan bekannt, zwei neue Seidenstraßen errichten zu wollen, um den Handel von China nach Westen abzusichern und zu erleichtern. Eine Schienenverbindung über die eurasische Landmasse von Ost nach West. Und eine Seeroute nach Europa. Ergänzt durch mehrere Querverbindungen. Heute ist BRI ein zentraler Pfeiler der Außenpolitik des Staatspräsidenten Xi Jinping, fest geschrieben im Fünf-Jahresplan und verankert in Chinas Verfassung.

Ein Infrastrukturprojekt mit atemberaubender Dimension

Die Dimensionen sind atemberaubend. Wenngleich noch niemand genau zu sagen vermag, wo die „neue Seidenstraße“ überhaupt anfängt und wo sie aufhört, wird geschätzt, dass chinesische Banken bereits mehr als 500 Milliarden Dollar in den vergangenen fünf Jahren investiert haben. Chinas Staatsbanken haben mittlerweile mehr internationale Projektkredite vergeben als die Weltbank und alle westlichen Entwicklungsbanken zusammen.

Die Neue Seidenstraße ist zunächst eine Infrastrukturoffensive, die Handel und Konsum in einer Vielzahl von Schwellenländern anfachen und neue Märkte schaffen wird. Aber künftig soll sie auch regionale Kommunikations- und IT-Netzwerke verbinden, Zollschranken und andere Investitionshemmnisse senken, Standards und Normen angleichen, den Tourismus ankurbeln, den Kulturaustausch beflügeln und den Renminbi zur Standardwährung machen, neben – oder gar anstatt – Dollar und Euro.

Die Neue Seidenstraße – große Chancen für deutsche Unternehmen

Deutsche Unternehmen sollten es keinesfalls verpassen, auf den Ost-West-Zug aufzuspringen, findet Armin Siegert. Der Leiter des internationalen Geschäftsbereiches der IHK Nürnberg beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit BRI und empfiehlt deutschen Mittelständlern, im Schlepptau der hiesigen Multis auf die Neue Seidenstraße zu kommen. So habe allein Siemens 1.000 deutsche Zulieferer mobilisiert. Siegert empfiehlt dem Mittelstand, weiter in die Zukunft zu sehen, in die Phase nach dem Aufbau der neuen Verkehrswege. „Entlang der Routen werden neue Städte entstehen, die Verkehrsinfrastruktur benötigen, Kanalisation und Krankenhäuser.“ Das sind Chancen, die wachstumsorientierte Unternehmen nicht verpassen sollten.

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