In Asien, Afrika und Europa sind viele Länder herangereift, die ein hohes Wachstum zeigen. Immer mehr internationale Unternehmen und Kapitalanleger interessieren sich für Investitionen in Frontier Markets, vor allem für solche, die von der Neuen Seidenstraße profitieren.

 

Wachstum entwickelt oft eine Dynamik, die selbst optimistische Erwartungen übertrifft. Wer sich eine Vorstellung davon machen will, welch geballte Kraft der Sprung eines Landes zum Industriestaat entfalten kann, braucht nur einen Blick nach China werfen. Dort hat sich das Bruttosozialprodukt allein in den letzten zehn Jahren auf heute mehr als 14 Billionen US-Dollar verdreifacht. Damit ist das Reich der Mitte, das vor gar nicht so langer Zeit als Entwicklungsland galt, zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA aufgestiegen.

China bildet zusammen mit Brasilien, Russland und Indien die BRIC-Staaten, die als die großen Repräsentanten der ersten Generation von Schwellenländern gelten. Einen Teil ihres außergewöhnlichen Wachstumspotenzials haben diese Volkswirtschaften allerdings schon ausgereizt. Internationale Investmentprofis und mutige Privatanleger haben deshalb mittlerweile ein Auge auf die Schwellenländer der zweiten Generation, die sogenannten Frontier Markets, geworfen.

Frontier Markets sind in der Regel kleinere Volkswirtschaften mit niedrigen Pro-Kopf-Einkommen, die unter verbesserten Rahmenbedingungen einen größeren Aufschwung vor sich haben könnten.

Schwierigkeiten und Chancen der Frontier Markets

Oft behindern allerdings Korruption und Kriminalität, Terror und instabile politische Verhältnisse die Entwicklung. Andererseits besteht die Chance, dass Reformen viel von dem noch ungenutzten Wachstumspotenzial mobilisieren könnten. Der riesige Nachholbedarf an Infrastruktur gehört ebenso zu den Hoffnungsträgern wie eine junge, wachsende Bevölkerung, die langfristig bei verbessertem Lebensstandard und steigendem Bildungsniveau für wirtschaftliche Dynamik sorgen könnte. 

Investments mit günstigen Bewertungen, aber auch hohen Risiken

Dass sich Investments in diesen Ländern jetzt schon lohnen, zeigt ein Blick auf den MSCI Frontier Markets Index, der die Wertentwicklung der Aktien von 29 aufstrebenden Grenzländern misst. Er wies für die vergangenen fünf Jahre bis Ende Juli auf US-Dollar-Basis einen jährlichen Wertzuwachs von 4,6 Prozent aus. Der Blick auf die Performance-Entwicklung zeigt aber auch die heftigen Ausschläge, mit denen Anleger rechnen müssen.

MSCI Frontier Emerging Markets Net Total Return Index

Quelle: Thomson Reuters Datastream

So legte der Index im vergangenen Jahr um ansehnliche 32,3 Prozent zu, während er 2015 um rund 14 Prozent eingebrochen war. Er weist zudem deutliche Abweichungen zur Wertentwicklung der großen Börsenindizes für die Industrieländer auf. Auffällig aber auch: Die Frontier Markets sind noch relativ günstig bewertet. So notierten die Aktien dieser Länder im Juli mit dem 14-Fachen der von den Unternehmen erzielten Gewinne. Beim All Country World Index (ACWI), der die größten Firmen aus 47 Industrie- und Schwellenländern beinhaltet, lag dieses Verhältnis dagegen fast beim 19-Fachen der Unternehmensgewinne.

Saudi-Arabien und Ghana als Vorreiter und Hoffnungsträger

Allemal ratsam ist es, einen genauen Blick auf die Rahmenbedingungen und Perspektiven der einzelnen Länder zu werfen. Saudi-Arabien etwa, ein für einen Frontier Market ohnehin schon wohlhabendes Land, möchte in den kommenden Jahren den Privatsektor stärken und die Korruption bekämpfen, auf mehr Haushaltsdisziplin achten und die wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes vom Öl reduzieren. Auch in Ghana gibt es guten Grund für Optimismus. Dort winken – bei derzeit politisch stabilen Verhältnissen – in den kommenden Jahren durchschnittliche Wachstumsraten von jährlich fünf Prozent. Der aktuelle Aufschwung wird von einem Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) ebenso getragen wie von den rohstoffbasierten Exporten und einer steigenden Inlandsnachfrage. Der IWF traut dem Land in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von über acht Prozent zu, wobei Ghana vor allem von steigenden Ölpreisen profitieren kann.

Vietnam ist besonders interessant für Anleger

 Vietnam gehört zu den Märkten, die in jüngster Zeit besonderes Anlegerinteresse auf sich gezogen haben. Dafür gibt es einige gute Gründe. So treibt die sozialistische Regierung die Privatisierung von Staatsbetrieben voran, während das Land gleichzeitig das Ziel steigender Direktinvestitionen aus dem Ausland ist. Firmen aus den Nachbarstaaten China, Korea und Japan engagieren sich, um das Potenzial an gleichermaßen günstigen wie gut ausgebildeten Arbeitskräften zu nutzen. Vor allem aber kann Vietnam derzeit auf riesige Infrastrukturprojekte im Zuge des von China initiierten Baus der Neuen Seidenstraße hoffen. Von dem Megaprojekt könnten aufgrund ihrer geografischen Lage auch andere asiatische Frontier Markets wie etwa Sri Lanka und Kasachstan profitieren.

Chancen und Risiken der Frontier Markets

Fondsmanager setzen auf den Finanzsektor

Wenn die Wirtschaft wächst, sind Bankkredite ein wichtiger Motor für einen anhaltenden Aufwärtstrend. Auch wenn die Finanzstrukturen in vielen Frontier Markets noch unterentwickelt sind, bieten sich deshalb für Geldinstitute besondere Wachstumschancen. Kein Wunder ist es da, dass professionelle Fondsmanager gerne solide, in diesen Märkten bereits etablierte Banken in ihre Portfolios holen. Auch im MSCI Frontier Markets Index ist der Finanzsektor mit einem Anteil von 44 Prozent überaus stark gewichtet.

Große Geschäftschancen im Bereich der Telekommunikation

Eine bedeutende Rolle spielen darüber hinaus Unternehmen aus dem Bereich der Telekommunikation. Allein die rund 1,2 Milliarden in Afrika lebenden Menschen bieten riesige Geschäftschancen. In Kenia etwa hat sich der Aktienwert des Mobilfunkanbieters Safaricom in den vergangenen sechs Jahren mehr als verfünffacht. Das Land, mit 45 Millionen Einwohnern die größte Volkswirtschaft Ostafrikas, gilt auf dem schwarzen Kontinent als einer der Märkte, die bei einer jetzt schon stetig wachsenden Mittelschicht besondere Dynamik versprechen.

Diese Länder zählen zu den Frontier Markets
Amerika Europa & CIS Afrika Mittlerer Osten Asien
Argentinien, Jamaika, Trinidad und Tobago Bosnien, Herzegowina, Bulgarien, Estland, Litauen, Kroatien, Kasachstan, Rumänien, Serbien, Slowenien, Ukraine Botswana, Ghana, Kenia, Mauritius, Marokko, Nigeria, Tunesien, Zimbabwe Bahrain, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Palästina Bangladesch, Sri Lanka, Vietnam

Risiken für Anleger in den Frontier Markets

Anleger in den Frontier Markets müssen bei allen Chancen auch die besonderen Risiken dieser Staaten beachten. Dazu gehören häufig starke Währungsschwankungen. Der argentinische Peso, der gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn mehr als die Hälfte seines Werts eingebüßt hat, ist ein drastisches Beispiel dafür. Aber auch die Bodenschätze, über die viele dieser Länder verfügen, prägen das Investmentszenario. Ob Gold, Kakao oder Öl: Ein Verfall der Rohstoffpreise kann die Wirtschaft vieler Grenzstaaten gefährlich nach unten reißen. Geht es in die umgekehrte Richtung, winken andererseits Vorteile. So hilft der steigende Ölpreis derzeit einem Land wie Nigeria, die Rezession hinter sich zu lassen.

Herausforderungen für Privatanleger

Ein nicht zu unterschätzendes Problem sind auch die unterentwickelten Finanzmärkte der Frontier Markets. Oft gibt es nur wenige große börsennotierte Gesellschaften und wegen der schwachen Liquidität finden Käufer und Verkäufer nicht immer schnell zusammen. Das trägt ebenso wie die mangelhafte Transparenz der Marktentwicklung zu überdurchschnittlich hohen Kursschwankungen und damit größeren Risiken bei. Andererseits spielt Auslandsgeld an vielen Börsen der Frontier Markets noch keine große Rolle. Die Aktien ihrer Unternehmen befinden sich zum weitaus größten Teil in den Händen inländischer Anleger. Das wiederum kann für eine gewisse Stabilität sorgen und diese Märkte unabhängiger von globalen Trends machen.

Podcast: Wachstum entlang der Seidenstrasse

Artikel teilen

Wir verwenden Cookies, um die Funktionalität und den Inhalt dieser Website zu optimieren. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.