Autor

Ludger Wibbeke
Leiter Real Assets
Ludger Wibbeke betreut mit seinem Juristen-Team offene und geschlossene AIF für sämtliche Sachwerte in deutschen und luxemburgischen Fondsstrukturen. Hauck & Aufhäuser ist eine der führenden Verwahrstellen für solche alternativen Fondsprodukte.
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Investmentfonds sind stark gesetzlich reguliert. Regeln für Crowdinvesting gibt es nicht. Das sollte sich ändern, zum Schutz der Anleger.

 

Privatbanken sind hierzulande bekannt dafür, bisweilen konservativ zu agieren. Als innovativ und unkompliziert macht dagegen das sogenannte Crowdfunding, frei übersetzt: Schwarmfinanzierung, von sich reden. Crowdinvesting lockt immer mehr private Anleger mit hohen Renditeversprechen, geringen Mindestanlagesummen und einfachstem Zugang per Mausklick. Umso erstaunlicher ist es für so manchen Stammkunden, dass Hauck & Aufhäuser sich jüngst dem Bundesverband Crowdfunding angeschlossen hat. Alte Welt trifft digitale Welt sozusagen. Wie das zusammenpasst? „Sehr gut“, findet Ludger Wibbeke, Leiter Real Assets bei Hauck & Aufhäuser: „Crowdfunding bildet die Zukunft ab. Und es wäre ein Fehler, es als traditionelle Bank zu ignorieren.“ Umgekehrt können die Crowdfunding-Plattformen von der Kompetenz und Erfahrung der Banken profitieren. „Und sie können durch uns zudem ihre Reputation verbessern“, sagt Wibbeke, der sich seit rund zwei Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Crowdinvesting in Immobilien besonders beliebt

Und Crowdfunding ist in. Die Idee dahinter ist simpel: Die Crowd (zu Deutsch Menschenmenge) beteiligt sich mit kleinen Beträgen an Immobilien, an jungen Unternehmen, an grünen Projekten oder gar an einer Filmproduktion. Dafür bekommen sie eine Verzinsung, die weit über der marktüblichen Rendite liegt. Allein der deutsche Markt erreichte im vergangenen Jahr laut Crowdfunding.de ein Volumen von rund 200 Millionen Euro – und damit stolze 171 Prozent mehr als 2016.

Crowdfunding-Regeln für geringere Risiken beim Investment

Doch die Finanzierungsart hat aus Sicht vieler Experten einen gravierenden Nachteil: Crowdinvesting unterliegt so gut wie keiner Regulierung, anders als etwa Investmentfonds. Die Gefahr von Betrug und Missbrauch ist somit vorhanden, das eingezahlte Geld der Anleger entsprechend gefährdet. „Deshalb macht es Sinn, dass Crowdinvesting einheitlich reguliert wird wie andere Kapitalanlageprodukte auch“, fordert Experte Wibbeke.

Crowdinvesting-Anbieter brauchen Kontrolle und Transparenz

Und es gibt aus seiner Sicht zwei Stellschrauben, wie die Ungleichheit zumindest eingeschränkt werden kann. Zum einen über das Konstrukt Verwahrstelle. Hauck & Aufhäuser bietet als Mitglied des Bundesverbandes den zumeist jungen Plattformen an, die Gelder der Anleger freiwillig über die bewährte Verwahrstelle der Bank zu verwahren. „Immer mehr Crowdfunding-Anbieter erkennen, dass sie dadurch Vertrauen beim Anleger schaffen.“

Denn eine Verwahrstelle übt eine Kontrollfunktion aus. Sie überwacht beispielsweise, ob die Gelder des Fonds ordnungsgemäß verwendet werden. Betrugsfälle wie aktuell bei P&R Container, denen das Schneeballsystem nachgewiesen wurde, werden so verhindert. Ein weiterer Ansatz für mehr Einheitlichkeit betrifft das Thema Transparenz. „Es gibt keinen Rechtsgrund, warum regulierte Fonds einen Prospekt erstellen müssen, Crowdinvesting-Anbieter jedoch nicht“, verdeutlicht Wibbeke. Natürlich ist ein Prospekt allein kein Gütesiegel und kann mögliche Risiken nicht ausschalten. Aber ein Prospekt informiert den Anleger in standardisierter Form eben auch über die Risiken des Investments. Dazu gehört bei Crowdinvestments vor allem der mögliche Totalausfall der eingesetzten Gelder.

Solch eine Warnung scheint notwendig. Vielen Verbrauchern sind laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hessen aus dem vergangenen Jahr die Risiken nicht bewusst. Lediglich 39 Prozent der Befragten halten diese Art der Geldanlage für riskant oder sehr riskant. Das bedeutet: Den meisten Anlegern in Crowdinvestments dürfte nicht klar sein, dass sie sich die Zinsen von vier bis sieben Prozent auch über ein entsprechend höheres Risiko erkaufen.

Einheitliche Regulierung für Crowdfunding-Projekte

Inwieweit die Ideen für mehr Regulierung beziehungsweise Gleichheit zwischen der alten und der neuen, digitalen Welt tatsächlich umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Klar ist: Nur wenn böse Überraschungen ausbleiben, wird die junge Branche nachhaltigen Erfolg haben. Und Banken sind in diesem Prozess ein wichtiger Partner.


Text: Heino Reents

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