Das jährliche Branchentreffen der Private-Equity-Industrie in Berlin, das unter dem ambitionierten Titel „Superreturn“ stattfand, war wieder ein Moment der Reflexion, des Rück- und des Ausblicks. Mehr als 2500 Teilnehmer trafen sich zur Diskussion eines teils des Kapitalmarkts, der rund 2,8 Billionen Dollar Investorengelder verwaltet.

Autor

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
Als Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser analysiert und prognostiziert Burkhard Allgeier sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

Private Equity wird in einer Investitionswelt, in der die Zinsen global auf Tiefstständen verharren, seit Jahren stärker nachgefragt. Wie bei anderen Alternativen zu Zinsinvestments – zum Beispiel bei Immobilien – spiegelt sich diese Nachfrage in den Kaufpreisen wider. So wurde bei den 4.000 Transaktionen im vergangenen Jahr im Durchschnitt das 11,2-fache des operativen Jahresgewinns (EBITDA) für Unternehmen bezahlt. Das ist ein Spitzenwert, der vor allem durch sehr große Unternehmenskäufe getrieben wird, wo das Verhältnis aus Anlagemöglichkeiten und potenziellen Übernahmeobjekten besonders ungünstig ist. Bei kleineren Unternehmen ist dieser Kaufpreisfaktor weiterhin deutlich niedriger.

So sprechen alle über den Mittelstand, wobei die Definition dieses Markts nicht eindeutig geregelt ist. Große Manager können in ihren Fonds nicht so kleinteilig investieren und bezeichnen ihre Transaktionen gerne als „Mid-Cap“. Diese sind jedoch nicht mit dem Mittelstand zu verwechseln, sondern nur etwas kleiner als „Large-Caps“.

Der Anlagedruck gerade großer Institutionen spült jedoch weiter vor allem großen Managern Gelder in ihre Fonds. Einige Manager wie CVC mit einem Volumen von 16 Milliarden US-Dollar haben im zurückliegenden Jahr zwar Rekordsummen für ihre Fonds eingesammelt, schützen sich jedoch mit Begrenzungen des Volumens („hard cap“) und bekamen von Investoren ein Vielfaches ihrer Einlage angeboten. Diese Selbstdisziplinierung ist kein Einzelfall und ein Ergebnis der Verwerfungen von 2006 bis 2008, die viele Teilnehmer noch lebhaft vor Augen haben.

Zur Verteidigung der Branche muss allerdings auch deutlich gemacht werden, dass die Unternehmen sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt haben. Diese historisch guten Ergebnisse und Wachstumsaussichten relativieren einen Teil der Kaufpreise.

Bei einem starken Anstieg der Zinsen könnte eine Umschichtung institutioneller Investoren zurück in festverzinsliche Papiere einen Rückgang der Kaufpreise zur Folge haben.

Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer

Der Markt für Unternehmenstransaktionen ist dabei nicht frei von Risiken. Die Akteure nehmen politische Krisenherde und ökonomische Warnsignale durchaus ernst. Unklar ist dabei jedoch allen, wann eine Korrektur in welcher Ausprägung zu erwarten ist. In Ermangelung der vielbemühten Glaskugel verhalten sich die Investoren weiter nach dem Motto: „Wenn heute wie gestern ist, wird morgen wohl auch wie heute werden“. Da externe Belastungsfaktoren (Brexit, Ukraine, Türkei, Trump etc.) vom Markt weitgehend akzeptiert werden, kann aktuell nicht gesagt werden, wann die Märkte sich verändern.

Einig sind sich die Marktteilnehmer allerdings darin, dass der Zins die wichtigste Komponente für das aktuelle Umfeld darstellt. Während geringere Zinssteigerungen durchaus verdaubar wären, könnte bei einem starken Anstieg der Zinsen eine Umschichtung institutioneller Investoren zurück in festverzinsliche Papiere einen Rückgang der Kaufpreise zur Folge haben.

Letztlich zählen – wie bei allen Investitionen – die Wahl des richtigen Markts, die Identifikation der passenden Unternehmen und die Fähigkeit der Private-Equity-Manager, in den Firmen operative Verbesserungen herbeizuführen. Dass diese Kombination auch in schwierigen Märkten zu positiven Ergebnissen führen kann, haben gute Manager auch in den Krisenjahren nach 2008 hinlänglich bewiesen.

An dieser Stelle kommt Beratern wie Hauck & Aufhäuser die Aufgabe zu, geeignete Manager zu selektieren. Last but not least ist in dem beschriebenen Umfeld die Diversifikation von Investments von entscheidender Bedeutung. Bezogen auf Anlagen in Private Equity kann eine Streuung nach Ländern beziehungsweise Regionen, Branchen und Strategien dann erreicht werden, wenn kleinere und mittlere Fonds in die Auswahl einbezogen werden und nicht nur die bekannten, großen Namen der Branche. Sehr empfehlenswert ist auch eine zeitliche Diversifikation. Investoren sollten die für Private Equity geplanten Mittel durch Zeichnungen in mehreren hintereinander folgenden Jahren splitten.

Die gesamte Ausgabe zum Download: HORIZONTE II/2018

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