Nachhaltiges Investieren ist derzeit angesagt. Institutionelle Kunden, jedoch auch private Anleger, suchen verstärkt nach Möglichkeiten, ihre Portfolio-Entscheidungen sozial und ökologisch vertretbar zu gestalten. Dies kann beispielsweise nach den sogenannten ESG-Kriterien erfolgen – also nach Umwelt- (Environment) und sozialen Kriterien (Social) sowie Aspekten guter Unternehmensführung (Governance).

Autor

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer
Als Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser analysiert und prognostiziert Burkhard Allgeier sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

In vielen Kundengesprächen wird vermehrt Interesse an Green Bonds bekundet. Bei Rentenpapieren nähern sich Investoren jedoch erst allmählich den ESG-Ansätzen an, auch weil ihnen häufig die Erfahrungen fehlen oder einfach zu wenig Informationen und Umsetzungsideen vorliegen.

Und wo genau liegen deren Vor- und Nachteile im Vergleich zu herkömmlichen Anleihen? Green Bonds ermöglichen die Finanzierung von Projekten, die Nutzen für die Umwelt stiften und zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen – das ist der Hauptunterschied zu konventionellen Schuldtiteln.

Green Bonds sind ausgestaltet wie übliche Anleihen (also feste Laufzeit, Zinssatz und Rang in der Kapitalstruktur), jedoch mit dem Ziel, das geliehene Geld in nachhaltige beziehungsweise klimafreundliche Projekte zu investieren – wie etwa in die Förderung von Windkraftanlagen, in Photovoltaik oder in den Bau energieeffizienter Gebäude.

Außerdem unterscheiden sie sich von Nachhaltigkeits-Anleihen dadurch, dass Green Bonds ausschließlich klimafreundliche Projekte unterstützen. Nachhaltigkeits-Anleihen basieren dagegen auf ethischen oder ökologischen Grundlagen. Zum Beispiel verzichtet ein Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie.

Ungeklärter Begriff

Es gibt jedoch keine allgemeingültige Definition dafür, was ein Green Bond ist. Zwar haben einige unabhängige Organisationen Leitlinien für Emittenten grüner Anleihen veröffentlicht, die für Transparenz sorgen. Jedoch kann theoretisch jeder Emittent eine Anleihe begeben und diese als Green Bond bezeichnen.

Mit den 2014 veröffentlichten Green-Bond-Principles (GBP) wurden Standards der Weltbank formalisiert. Dabei handelt es sich um Kriterien, nach denen sich die Herausgeber von grünen Anleihen richten können. Die GBP geben Empfehlungen für die Verwendung der Emissionserlöse vor, welche wiederum in Projektkategorien unterteilt werden.

Investitionen sollen demnach in erneuerbare Energien, energieeffiziente Gebäude, in den umweltverträglichen Transport oder auch in die Anpassung an den Klimawandel erfolgen. Sie sind jedoch nicht verbindlich und bieten deswegen erheblichen Auslegungsspielraum.

Green-Bond-Emittenten, die sich der Einhaltung der Prinzipien verschrieben haben, sollen jährlich offenlegen, in welche Projekte die Anleiheerlöse geflossen sind. Verpflichtend ist das allerdings nicht.

Im Jahr 2016 wurden 69 % der emittierten Green Bonds von unabhängiger Seite überprüft. Mittlerweile arbeitet auch die EU-Kommission an einem eigenen Klassifikationsschema und an Qualitätsstandards, welche durch eine Expertengruppe für Sustainable Finance (HLEG) erarbeitet werden und für eine weitere Standardisierung in Europa sorgen sollen.

Stark wachsendes Angebot

Das Emissionsvolumen von Green Bonds steigt rasant an. Während 2013 global nur 13 Milliarden US-Dollar emittiert wurde, waren es 2017 bereits 155 Milliarden US-Dollar. Dieses Jahr dürfte das Volumen auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar zunehmen, wobei weitere Emittenten auf den Markt drängen.

Mit 41 % des Emissionsvolumens im laufenden Jahr haben staatliche und supranationale Emittenten einen erheblichen Anteil am Gesamtmarkt. Da sich diese Institutionen jedoch relativ günstig verschulden können, halten sich die erzielbaren Renditen und Risikoaufschläge dieser Green Bonds in Grenzen.

Auf der einen Seite steht die erhöhte Nachfrage durch Investoren, auf der anderen Seite fehlt es bei Green Bonds häufig noch an Markttiefe und Liquidität.

Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer

Auch bei gedeckten Schuldverschreibungen (Covered Bonds) und Unternehmensanleihen (Corporates) sind zwischen Green Bonds und konventionellen Anleihen keine signifikanten Renditedifferenzen erkennbar. Auf der einen Seite steht die erhöhte Nachfrage durch Investoren, wie kirchliche Einrichtungen und Stiftungen, welche nach ESG-Prinzipien anlegen und die Nachfrage ankurbeln. Auf der anderen Seite fehlt es bei Green Bonds häufig noch an Markttiefe und Liquidität, was eine zusätzliche Prämie beziehungsweise einen Spreadaufschlag erfordert. Im Insolvenzfall werden Green Bonds, je nach Rangigkeit, allerdings genauso behandelt wie Anleihen, welche konventionell emittiert wurden, sodass dem Anleger hier keine Vor- oder Nachteile entstehen.

In Zeiten des Klimawandels sind Green Bonds für die Anleger eine interessante Alternative, die einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten möchten. Allein die steigende Nachfrage nach solchen Anleihen zeigt, wie wichtig der Umweltschutz mittlerweile für unsere Gesellschaft ist. Mit der Unterstützung von Ländern und Unternehmen, die sich dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben haben, ergibt sich damit für jeden einzelnen die Möglichkeit, seinen Beitrag für Nachhaltigkeit zu leisten. Betrachtet man die Anleihen unter reinen Rendite- und Risikoaspekten, so ergeben sich keine Vorteile, da keine Renditeunterschiede beziehungsweise Risikoaufschläge zu konventionellen Anleihen existieren.

Die gesamte Ausgabe zum Download: HORIZONTE II/2018

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