Die Lage an den internationalen Aktienmärkten ist ungemütlich geworden. Erneut mussten Rückschläge verkraftet werden. Nach den Zins- und Inflationssorgen vor einem Monat kam mit den protektionistischen Vorschlägen seitens der US-Regierung Ende letzter Woche neuer Verkaufsdruck auf. Erholungsphasen sind hingegen kurzlebig geworden.

Autor

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer
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Als Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser analysiert und prognostiziert Burkhard Allgeier sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

Die Konjunktur- und Inflationsdaten aus den USA sind zur Zeit so gut, dass die amerikanische Notenbank dem Zinsschritt am 21. März zwei weitere, vielleicht sogar drei in diesem Jahr folgen lassen wird. Der Ifo-Index hingegen – und auch andere Konjunkturindikatoren für die Eurozone – haben etwas nachgegeben. Das Niveau der Indikatoren ist zwar hoch, die Dynamik hat jedoch nachgelassen.

Und genau darauf blicken die Aktienmärkte. Keine Überraschung wäre es, wenn auch die US-Frühindikatoren schon bald etwas an Dynamik einbüßen sollten. Nicht nur aus der reinen Zyklik heraus, sondern auch aus anderen Gründen. Zum einen kann das Zinsniveau früher oder später die beabsichtigte Abkühlung für die Konjunktur erzielen. Zum anderen ist mit der angekündigten Zollpolitik der US-Regierung neue konjunkturelle Unsicherheit entstanden. Zwar haben Stahl- und Aluminiumimporte nur einen Anteil von 1,5% an den Gesamtimporten der USA. Aber internationale Gegenmaßnahmen können eine Protektionismuswelle auslösen, die die Erwartungen zusätzlich dämpft und deutliche Spuren in der globalen Konjunktur hinterlässt. Gerade weil sie aktuell so synchron läuft, können sich konjunkturelle Enttäuschungen rasch und weltweit verbreiten.

Die Folgen für die Kapitalmärkte wären vielfältig: Die Gewinnschätzungen gerade für exportlastige Unternehmen (und Aktienindizes wie dem DAX) könnten weiter reduziert werden; die „Flucht“ in sichere Assetklassen (AAA-Staatsanleihen, Gold und andere Währungen wie CHF, JPY) könnte sich zu Lasten risikobehafteter Vermögensgegenstände verstärken. Der US-Dollar ist im Übrigen bislang kein Profiteur der Finanzmarktwetterlage – selbst die hohe, womöglich noch größer werdende Zinsdifferenz hilft ihm gegenüber dem Euro nicht auf die Beine. Wir erwarten ihn im Laufe des Jahres in einem Korridor von 1,20 bis 1,30 EUR/USD.

Unserer Aktienübergewichtung bleiben wir noch treu – allerdings mit etwas abnehmender Konfidenz. Denn die Risiken haben sich wie beschrieben vermehrt. Die gute Gewinnberichterstattung und die verbesserten Bewertungskennziffern reichen als Sogwirkung für steigende Kurse nicht mehr aus. Wir beabsichtigen, Erholungsphasen zur Reduktion der Aktienquoten zu nutzen. 2018 könnte verstärkt antizyklisches Handeln abverlangen.

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