Die vom US-Präsidenten angekündigten Strafzölle gegen die Europäische Union und China lösten Ängste aus, dass ein Handelskrieg drohen könnte. Dazu muss es aber gar nicht kommen. Vielmehr kann die Androhung von Zöllen letztlich dazu führen, dass der Welthandel unbeschränkter und der Zugang zum chinesischen Markt einfacher wird. Ein positiver Ausgang also.

Autor

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer
Als Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser analysiert und prognostiziert Burkhard Allgeier sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

Die US-Regierung hat unter anderem zwei wichtige Handelspartner zum Ziel von Strafzöllen gemacht: die EU und China. Die Motive dabei sind unterschiedlich. Im Falle Chinas geht es nicht zuletzt um aus Sicht der Vereinigten Staaten „unfaire“ Handelspraktiken. China verlangt von ausländischen Unternehmen einen Technologietransfer, wenn sie einen Marktzugang haben wollen. Dieser Transfer geschieht dadurch, dass die Technologie mit den chinesischen Geschäftspartnern geteilt wird oder dass Technologiepatente unter dem Marktwert abgegeben werden. Der „Know-how“-Transfer erfolgt offiziell „freiwillig“, weil die Auslandsunternehmen ja Zugang zu einem der größten Märkte der Welt haben wollen.

Die EU ihrerseits predigt zwar den Wohlfahrtsgewinn durch freien Handel, praktiziert ihn aber nur bedingt. Der ungewichtete Durchschnittszoll der EU für alle Importe liegt bei 5,2%, jener der USA bei  3,5%. Umfangreiche Daten zur EU-Zollpolitik liefert eine Studie des ifo-Institutes „Zölle im transatlantischen Handel: Worauf, wie viel und wie gerecht?“, die Sie hier finden.

An den Aktienmärkten wird das Vorgehen der US-Regierung als Handelskrieg interpretiert, der den Welthandel beeinträchtigt, die Konjunkturdynamik bremst und die Gewinne von exportorientierten Unternehmen schrumpfen lässt. So erklären sich unter anderem die jüngsten Verluste an den globalen Aktienmärkten. Statt zu einem Handelskrieg zu führen, könnte das Ergebnis ein ganz anderes, sogar aktienmarktfreundliches sein. Spieltheoretisch kann es gemäß der Theorie der glaubwürdigen Drohung zu einer Verhandlungslösung kommen, da sowohl für den Drohenden als auch für den Bedrohten Kosten und Schäden eintreten können, die beide vermeiden wollen. Senkt die EU ihre Zölle ab, könnten die USA daraufhin auf Importzölle verzichten oder Ausnahmeregelungen schaffen. Mildert China den obligatorischen Technologietransfer ab, was für Ausländer den Marktzugang attraktiver macht, könnten die USA ihre Zollandrohung zurückziehen. Am Ende wäre der Welthandel liberaler geworden, die Aktienmärkte könnten aufatmen. Dass es so kommt, ist nicht unwahrscheinlich. Für Weltkonjunktur und Aktienmärkte ein gutes Szenario.

PDF-DOWNLOAD

Artikel teilen

Wir verwenden Cookies, um die Funktionalität und den Inhalt dieser Website zu optimieren. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.