Die amerikanische Notenbank Fed hat auf ihrer September-Sitzung erwartungsgemäß den Startschuss zum Abbau ihrer aufgeblähten Bilanz gegeben. Seit Oktober reduziert sie diese monatlich um 10 Milliarden Dollar (aktuell 6 Milliarden Dollar Staatsanleihen und 4 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen). Bis zu diesem Betrag wird die Fed die ihr aus fälligen Anleihen zufließenden Mittel nicht mehr am Anleihenmarkt reinvestieren.

Autor

Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer
Als Chief Investment Officer und Chefvolkswirt von Hauck & Aufhäuser analysiert und prognostiziert Burkhard Allgeier sowohl makroökonomische Entwicklungen als auch das Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten.

Die weitere Vorgehensweise sieht vor, dass sich alle drei Monate die Obergrenze erhöht, bis nach zwölf Monaten ein Wert von 50 Milliarden US-Dollar (30 Milliarden Dollar Staatsanleihen, 20 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen) erreicht ist. Nach 2018 bleibt diese Grenze unverändert – so der Plan.

Die Notenbank hat zwar einen genauen Plan zum Tempo des Abbaus vorgelegt. Zur Zielgröße der Bilanz hat sie sich allerdings nicht geäußert.

Zur Ableitung einer Projektion der Fed-Bilanz können verschiedene Maße herangezogen werden. Eine Möglichkeit besteht darin, das Wertpapiervolumen ins Verhältnis zum Bargeldumlauf zu setzen und auf dieser Basis eine langfristige Schätzung abzugeben.

Fahrplan des Bilanzabbaus der Fed

Quelle: H&A, Thomson Reuters Datastream

Schrumpfung der Fed-Bilanz

Eine andere, für uns jedoch intuitivere Variante, betrachtet die Bilanzsumme einer Notenbank und damit (indirekt) den Wertpapierbestand (dieser macht in den USA circa 95 % der Bilanz aus) zusammen mit der Wirtschaftsleistung einer Nation (Bruttoinlandsprodukt auf nominaler Basis). Das Verhältnis dieser Größen gibt an, wie expansiv oder restriktiv eine Zentralbank ihre Geldpolitik ausrichtet.

Die Fed hat einen genauen Plan zum Tempo des Bilanzabbaus vorgelegt, jedoch nicht zur Zielgröße der Bilanz.

Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer

Die eben genannte Kennzahl liegt im Fall der USA bei rund 23 %. Das Wertpapierportfolio der Fed beträgt zurzeit gut 4 Billionen US-Dollar. Bei Einhaltung des Fahrplans bis einschließlich 3. Quartal 2018 und einem monatlichen Wertpapierabbau von 40 Milliarden Dollar ab Q4 2018 (die Bilanz wird ab 2019 wahrscheinlich um weniger als die angepeilten 50 Milliarden Dollar pro Monat schrumpfen, da in manchen Monaten zu wenige Staatsanleihen fällig werden) erreichen wir Ende 2020 ein Niveau, welches in etwa zwischen 3 und 3,25 Billionen US-Dollar liegt.

Fed-Bilanzsumme versus BIP

Quelle: H&A, Thomson Reuters Datastream

Gleichzeitig setzen wir ein robustes, wirtschaftliches Wachstum der USA von 4,0 % jährlich (nominal) voraus. Diese Schätzung basiert auf einem realen Wirtschafswachstum von 2,5 % und einer jährlichen Teuerungsrate von 1,5 %. Unterstellen wir nun nach vorne ein von der Fed angestrebtes (konservatives) Zielniveau der Bilanzsumme/BIP-Ratio von 15 %, welches ungefähr das Niveau der Finanzkrise 2008/2009 repräsentiert, so lässt sich schnell erkennen, dass dieses Ziel bereits Ende 2020 erreicht werden könnte.

Die Erwartungen an eine länger anhaltende Periode des Niedrigzinsumfelds haben sich verfestigt.

Burkhard Allgeier, Chief Investment Officer

Die Normalisierung der Fed-Bilanz wäre somit frühzeitig abgeschlossen. Bei Annahme einer monatlichen Reduzierung von 50 Milliarden Dollar (dies ist die eigentliche von der Fed vorgegebene Obergrenze) könnte die Fed schon Anfang 2020 auf Höhe ihres Ziels angelangt sein.

Beide Überlegungen zeigen, dass der Bilanzabbau schon nach wenigen Jahren abgeschlossen sein könnte. Um den womöglich negativen Effekt auf den Staatsanleihenmarkt zu dämpfen, könnte die Zentralbank jederzeit die Abbaugeschwindigkeit drosseln und somit Druck von steigenden Zinsen nehmen. Unter Berücksichtigung dieser Flexibilität und der stets schon zuvor gezeigten transparenten Kommunikation glauben wir jedoch nicht an nachhaltig steigende Zinsen oder gar an einen „Renten-Crash“. Denn Eile besteht beim Bilanzabbau nicht.

Die gesamte Ausgabe zum Download: HORIZONTE I/2018

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