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Immer mehr Menschen entscheiden sich, nachhaltig zu investieren. Doch es ist für Privatanleger nicht einfach zu beurteilen, ob und wie nachhaltig ein Unternehmen oder ein Anlageprodukt wirklich ist. Die Europäische Union will über neue Regularien nun die Transparenz erhöhen.

Professionelle Anleger investieren verstärkt nachhaltigkeitsorientier

„Wissen Sie“, überlegt Dr. Sebastian Taschke, Leiter Compliance bei Hauck & Aufhäuser, „Geld hat ja eine sehr wichtige Lenkungsfunktion. Fließt immer mehr Kapital nur noch in nachhaltig agierende Unternehmen, dann werden andere Firmen, die sich noch nicht ökologisch, sozial und ethisch verhalten, irgendwann dazu gezwungen zu folgen.“ Genau diese Entwicklung zeichnet sich derzeit weltweit ab. So haben inzwischen mehr als 3.000 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von über 100 Billionen US-Dollar die Prinzipien der Vereinten Nationen für nachhaltiges Investieren unterzeichnet.

Gleichzeitig bekennen sich immer mehr professionelle Anleger auf freiwilliger Basis dazu, nachhaltigkeitsorientiert und damit nur noch in jene Unternehmen zu investieren, die bereit sind, ihre CO2-Emissionen zu senken. Mit anderen Worten: Für Unternehmen, die auf fossile Brennstoffe setzen oder die sich in irgendeiner Art und Weise nicht nachhaltig verhalten, wird es immer schwieriger, das Kapital für Investitionen und neue Projekte zu bekommen. Es ist genau diese Lenkungsfunktion des Geldes, die sich die Europäische Union (EU) zunutze machen will, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen.

Umleitung privater Vermögen in nachhaltige Investitionen

Schließlich soll Europa, um das beim Pariser Klimagipfel im Jahr 2015 vereinbarte 2-Grad-Ziel bezüglich der Erderwärmung einzuhalten, im Rahmen des Green Deals bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Erde werden. Und laut er jüngst vorgestellten „Fit for 55“-Maßnahmen der Europäischen Kommission hat es sich die EU ferner zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Zudem soll der Anteil an erneuerbaren Energien auf wenigstens 32 Prozent und die Energieeffizienz um mindestens 32,5 Prozent steigen.

„Diese Ziele sind nach Einschätzung der EU aber nur erreichbar, indem private Investments in nachhaltige Anlagen umgeleitet werden“, macht Taschke klar. „Aus diesem Grund bildet auch ein umfassender Aktionsplan den regulatorischen Rahmen für die Umsetzung dieser Ziele.“

Schwierige Identifikation von wirklich nachhaltigen Umweltfonds

Ein wichtiger Teil davon ist die Offenlegungsverordnung, die seit dem 10. März dieses Jahres in Kraft ist. Die Idee dahinter ist einfach: Laut der Investmentfondsstatistik der Deutschen Bundesbank sind hierzulande mehr als 7.000 Publikumsfonds zugelassen. Dazu kommen noch einmal ein paar tausend Exchange Traded Funds (ETFs). Wer grün investieren will, für den ist es nicht so einfach, aus dieser großen Anzahl an Fonds und ETFs jene herauszufiltern, die wirklich nachhaltig sind und zudem der persönlichen Definition von Nachhaltigkeit entsprechen.

Immer mehr Vermögen fließt in nachhaltige Aktien und Fonds

Das gilt umso mehr, da zugleich das Interesse der Anleger am nachhaltigen Investieren derzeit stark zunimmt, wie auch einige Zahlen beweisen. Laut dem Fondsverband BVI kletterte das Vermögen nachhaltiger Publikumsfonds allein im vergangenen Jahr um 52 Prozent auf 91 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Bei konventionellen Investmentfonds betrug der Zuwachs nur knapp 3 Prozent. Und dieser Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei den Investoren zeigt sich schon seit vielen Jahren. Laut dem Marktbericht 2020 des Forums Nachhaltige Geldanlage betrug die in nachhaltigen Fonds und Mandaten hierzulande angelegte Summe im Jahr 2010 gerade 16,9 Milliarden Euro. Fünf Jahre später waren es 69 Milliarden Euro und 2019 sogar 183,5 Milliarden Euro.

Nachhaltiges Investieren wird einfacher

Für Anleger dürfte es deshalb sehr hilfreich sein, dass Emittenten von Finanzanlagen ihre Produkte im Rahmen der Offenlegungsverordnung nun klassifizieren müssen, und zwar in:

  • Fonds mit einer angestrebten Nachhaltigkeitswirkung (dark green / Artikel 9),
  • Fonds mit ökologischen und sozialen Merkmalen (light green / Artikel 8),
  • Fonds ohne nachhaltige Ausrichtung (Non-ESG / Artikel 6).

„Derzeit gibt es vonseiten der EU dazu zwar noch keine konkreten Kriterien, da diese erst noch durch sogenannte delegierte Rechtsakte entwickelt werden“, informiert Dr. Sebastian Taschke. „Jede Verwaltungsgesellschaft muss deshalb vorerst selbst anhand eigener Nachhaltigkeitskriterien und -merkmale die Anlagegegenstände für den Fonds qualifizieren und diese einsortieren.“

Mehr Transparenz, weniger Greenwashing

Der Experte sieht in dieser Selbsteinschätzung aber kein Problem. „Ist ein Produkt als ‚light green‘ klassifiziert, dann können sich Investoren sehr sicher sein, dass es dort auch hineingehört. Der Reputationsschaden, ein Produkt falsch zu klassifizieren, wäre einfach zu hoch“, sagt Taschke „Deshalb wird es vermutlich nicht passieren, dass ein Investmentfonds in einer falschen Kategorie landet.“ Die Offenlegungspflicht dürfte damit, so Taschkes Einschätzung, auch ihr primäres Ziel, nämlich Transparenz zu schaffen, erfüllen und zugleich die Gefahr des sogenannten Greenwashings deutlich reduzieren. „Schließlich ist nicht auszuschließen, dass es Trittbrettfahrer oder weniger seriöse Produktanbieter geben wird, die ihre Produkte als nachhaltig bezeichnen, obwohl sie es gar nicht sind.“

Nachhaltigkeit wird Teil der Anlageberatung

Das alles ist auch deshalb wichtig, weil im ersten Quartal 2022 Nachhaltigkeit Bestandteil in der Anlageberatung sein wird. „Im Rahmen der Eignungsprüfung ist dann auch die Nachhaltigkeit als Anlageziel der Kunden zu erfragen und bei Anlagevorschlägen entsprechend zu berücksichtigen“, erklärt der Experte weiter. Dazu kommt die sogenannte Taxonomie, die Ende dieses Jahres in Kraft treten soll. Diese stuft Wirtschaftstätigkeiten von Unternehmen als grün oder nachhaltig ein, wenn sie wesentlich zu einem von sechs definierten Umweltzielen beitragen, keinem der Zielbereiche signifikant schaden und gleichzeitig die sozialen Mindeststandards einhalten.

Greenwashing kann Wertentwicklung negativ beeinflussen

„Damit soll ein Standard geschaffen werden, um die Nachhaltigkeit von Unternehmen zu beurteilen“, erläutert Taschke. „Zwar spielt dies eher auf Fondsebene eine Rolle, da ein nachhaltiger Fonds dies bei seinen Investments berücksichtigen muss. Dennoch kann es dazu beitragen, Investoren mehr Transparenz bei ihren Investitionsentscheidungen zu geben.“ Schließlich geben sich Firmen immer wieder einen grünen Anstrich, obwohl sie es tatsächlich gar nicht sind. Starbucks, Walmart oder BP sind in der Vergangenheit genannte Namen. Zudem kann dieses Verhalten nicht nur ökologische Aspekte betreffen, sondern auch soziale oder die Frage einer ethischen Unternehmensführung. Möglicherweise lässt sich das mit dem Begriff Rainbowwashing deshalb noch besser umschreiben.

Das stellt aber gerade aus Sicht der Anleger ein erhebliches Risiko dar. Denn dringt ökologisches, soziales oder ethisches Fehlverhalten eines Unternehmens an die Öffentlichkeit, dann kann dies zu spürbaren Verlusten bei der jeweiligen Aktie führen. Zudem ist zu befürchten, dass Green- oder Rainbowwashing zu einem Vertrauensverlust bei den Investoren führt. Doch genau das muss die EU vermeiden, damit private Vermögenswerte auch weiter in nachhaltige Anlagen fließen. „Ich denke deshalb, dass die im Rahmen des EU-Aktionsplans verabschiedeten Regularien dabei hilfreich sind, für mehr Transparenz zu sorgen und gleichzeitig die Gefahr von Green- oder Rainbowwashing insgesamt zu reduzieren“, erläutert Dr. Sebastian Taschke.

Nachhaltiges Investieren bringt keine Renditenachteile

All das spricht dafür, dass nachhaltiges Investieren mehr ist als nur ein vorübergehender Modetrend. „Sie müssen bedenken, dass zum einen nachhaltiges Investieren in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, wie die Kapitalflüsse zeigen. Zum anderen besteht der politische Wille, diese Entwicklung voranzutreiben“, fasst Dr. Sebastian Taschke zusammen. Und das gilt umso mehr, da inzwischen immer mehr Studien zu dem Ergebnis kommen, dass nachhaltiges Investieren keine Renditenachteile bringt. So kamen die Experten des Analysehauses Scope im vergangenen Jahr zum Ergebnis, dass aktiv gemanagte nachhaltige Aktienfonds während der Coronakrise im ersten Quartal 2020 im Schnitt besser abschnitten als ihre konventionellen Pendants. Vom jüngsten Regulierungsschritt, der Transparenzpflicht für Finanzprodukte, sollten Anleger deshalb profitieren.

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