Nachhaltig Geld anlegen ist zu einem dominierenden Thema bei Finanzmessen und in Anleger-Foren geworden. In Anbetracht des immer noch relativ kleinen Anteils von Vermögen in ethisch nachhaltigen Geldanlagen erscheint dies erstaunlich, aufgrund der erhöhten Kundensensibilität gegenüber Nachhaltigkeitsthemen jedoch durchaus verständlich.

Roman Limacher
Roman Limacher
CEO Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
02.04.2019

Das Thema selbst ist allerdings nicht neu, denn verschiedene Vermögensverwalter haben bereits vor über 20 Jahren umfassende ethisch und nachhaltig ausgerichtete Anlagelösungen angeboten. Dies mit oft sehr guten Ergebnissen, wenn auch mit überschaubaren Volumen. In den letzten zwei Jahren wirkten vor allem politische Initiativen als „Turbolader‟ zur rascheren Verbreitung nachhaltiger Anlageansätze. Das EU-Parlament und die EU-Kommission arbeiten an der Einbindung der Finanzwirtschaft in die EU-Klimaziele. Der sogenannte EU Action Plan fordert u. a. ein einheitliches EU-Klassifizierungssystem, Berichtspflichten für Investoren, Label und Orientierungshilfen sowie Aufklärungspflichten der Vermittler. Wenn die MiFiD-II-Richtlinien jeden Kundenberater zur Abfrage des Nachhaltigkeits-Interesses zwingen, müssen die Banken und Asset Manager eine Lösung vorhalten.

Die Krux der Nachhaltigkeits-Definition

Die Umsetzung der legislativen Projekte kommt immer wieder ins Stocken, wenn es um die Nachhaltigkeits-Definition geht. Die verschiedenen institutionellen und politischen Akteure haben unterschiedliche Vorstellungen und Ambitionen. Insofern darf man von einem eher kleinen gemeinsamen Nenner ausgehen, was allerdings auch förderlich sein könnte. Wenn die regulatorischen Leitplanken zu eng gesteckt werden, wird Kreativität abgewürgt. Vielmehr sollten sie Raum bieten für individuelle innovative Ansätze. Es ist damit zu rechnen, dass einige Finanzdienstleister und Investoren eher eine Umsetzung eng an den regulatorischen Vorgaben anstreben, andere wiederum darüber hinaus gehen und so ambitioniertere Ansätze implementieren.

Warnung vor einseitigem Fokus

Die politischen Initiativen fokussieren zurzeit stark auf die Klimaziele. Mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen und die relativ gute Verfügbarkeit von Kohlestoffdioxid-Kennzahlen weltweit ist das Ansinnen nachvollziehbar. Wichtig ist aber, dass bei der Definition von Nachhaltigkeit ein umfassenderer Nachhaltigkeitsbegriff angewendet wird. „Auch wenn vor dem Hintergrund des Zwei-Grad-Ziels die Hervorhebung der Klimaziele dringend notwendig ist, sollten dabei vorrangig die sozialen, aber auch die Governance-Dimensionen nicht vernachlässigt werden‟, postuliert der Branchenverband Forum Nachhaltige Geldanlagen. Auffällig ist, dass in der Risikobeurteilung des Weltwirtschaftsforums den Klima- und Umweltthemen im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich eine höhere Bedeutung zugemessen wurde:

Der Blick auf die wieder stärker aufflammende Kritik am Kapitalismus, damit einhergehenden Forderungen nach höheren Steuern bis hin zu Enteignungen von Wohnungskonzernen, sollte nicht nur verantwortungsvolle Bürger, sondern auch umsichtige Anleger wachrütteln. Nachhaltiges Anlageverhalten ist nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Wenn die wirtschaftliche Ungleichheit weltweit zunimmt und Proteste zu größeren politischen Umwälzungen führen, könnten die Klimaziele schnell wieder Makulatur werden. Im Sinne einer zukunftsgerichteten und wirklich nachhaltigen Herangehensweise ist deshalb eine ganzheitliche Anlagesystematik von großer Bedeutung.

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Ihr Ansprechpartner für aktiv verwaltete Nachhaltigkeitsmandate:

Roman Limacher
Roman Limacher
CEO Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG
+41 44 220 11 22
roman.limacher@hauck-aufhaeuser.ch
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