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Kommt die Jahresendrally? Diese Frage wird in den kommenden Wochen sicherlich öfter gestellt werden. Der September begann auf den globalen Aktienmärkten erst einmal mit Ernüchterung. Die Technologie-Schwergewichte mussten kräftig Federn lassen. Neue fundamentale, preisrelevante Nachrichten gab es zwar nicht, aber aus anfänglichen Gewinnmitnahmen wurden rasch nennenswerte Kursrückgänge. Sorgen um ein Wiederaufflackern der Corona-Pandemie kamen hinzu. So verlor der S&P 500 in den ersten drei Septemberwochen rund zehn Prozent. Danach setzten eine Beruhigung und ein gemäßigter Wiederanstieg an.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
01.10.2020

Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Notenbanken ihren Kurs weiter beibehalten wollen. An den Kapitalmärkten gegen den Willen der Geldpolitiker zu „wetten“, ist in der Regel kostspielig. Die amerikanische Notenbank (Fed) bleibt bis mindestens 2023 ihrem Expansionskurs treu – so waren ihre jüngsten Aussagen zu verstehen. Ein Wachstum der Geldmenge M1 von 40% gegenüber dem Vorjahr zieht – solange die Konjunktur stabil bleibt – ein Sicherheitsnetz für die Aktienmärkte ein. Ob es gebraucht wird und wie stabil es erforderlichenfalls ist, wird die Mitte Oktober beginnende Gewinnberichtssaison für das 3. Quartal 2020 zeigen. Vermutlich dürften die Technologiewerte erneut besser als der Rest des Marktes berichten; die Nasdaq-Gewinnerwartungen sind kürzlich auf ein Allzeithoch gestiegen.

Die Fed und andere Zentralbanken sorgen unverändert dafür, dass die Renditeschwankungen auf den Staatsanleihemärkten gerade noch wahrnehmbar sind. Am meisten Bewegung zeigten in den letzten Wochen die Renditeaufschläge für EWU-Peripherieanleihen, nämlich nach unten. Die Kreditrisikoprämien (Credit Spreads) verhielten sich lehrbuchmäßig und stiegen mit fallenden Aktienmärkten, Ende September erfolgte aber schon die Gegenbewegung. Augenmerk gilt es auf den US-Dollar und Gold zu legen. Für uns nicht überraschend, vollzog sich eine vorübergehende Korrektur der vorherigen Dollar-Abwertung. Die nächste große Hürde, die es zu überspringen gilt, steht bei 1,15 EUR/USD. Fällt sie, dann könnte auch der Goldpreis unter 1.803 USD/Unze fallen. Unsere Goldübergewichtung bleibt davon zunächst aber unberührt.

Unsere Asset Allocation wurde Anfang September auf ein leichtes Aktienübergewicht hin verändert. Durch geschickte Einzeltitel-Selektion (über den US-Wert Trupanion und den Schweizer Wert Partners Group) entpuppten sich diese Schritte in auf Indexebene fallenden Märkten sogar als gewinnbringend. Auf der Rentenseite wurde eine Anleihe des Emittenten HeidelbergCement (Fälligkeit in 2024) mit einem Kurs deutlich über pari verkauft.

Zum Schluss möchten wir darauf hinweisen, dass wir ab Oktober 2020 unsere Standardmandate nach nachhaltigen Kriterien ausrichten. Hierzu greifen wir zurück auf das Research von MSCI (MSCI ESG Manager). Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken und mit Tätigkeiten in kontroversen Geschäftsfeldern werden ebenso ausgeschlossen wie Unternehmen, die im Hinblick auf Bewertungskriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance – den ESG-Kriterien – unterdurchschnittlich abschneiden. Wir erwarten dadurch keine Einbußen bei der finanziellen Rendite, jedoch eine höhere nicht-finanzielle Rendite.

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