Der September begann vielversprechend, die Euphorie an den Kapitalmärkten währte aber nur kurz.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
04.10.2019

Die USA und China verständigten sich darauf, Anfang Oktober weitere Gespräche über den Handelsstreit zu führen, und das britische Parlament hat für ein Gesetz gegen einen No-Deal gestimmt und zusätzlich Boris Johnsons Antrag auf Neuwahlen abgelehnt. Ein Brexit mit oder ohne Abkommen zum 31. Oktober ist damit unwahrscheinlicher geworden. Die Aktienmärkte honorierten diese Entspannungssignale. Substanzwerte, also Unternehmen mit auf den ersten Blick günstiger Bewertung, die in den vergangenen Monaten aufgrund ihres eher zyklischen Charakters abgestraft wurden, konnten im Gegensatz zu Wachstumswerten stark zulegen. Sie machten einen Teil ihrer Unterperformance in den Vormonaten wett. Auch die Anleiherenditen atmeten global wieder etwas durch und entfernten sich von ihren Allzeittiefstständen.

Die Euphorie an den Kapitalmärkten währte aber nur kurz. Die Unsicherheit kehrte zurück, als zur Monatsmitte das größte Ölfeld in Saudi-Arabien durch einen Drohnenangriff beschädigt wurde. Der Ölpreis schoss kurzfristig um bis zu 20 % in die Höhe, und die geopolitischen Streitigkeiten zwischen dem Iran und Saudi-Arabien stoppten den Aufwärtstrend an den Märkten. Daneben versprühten auch die im Laufe des Monats veröffentlichten Konjunkturdaten wenig Hoffnung auf eine baldige konjunkturelle Verbesserung. In Europa gingen die Einkaufsmanagerindizes erneut zurück, auch in China signalisieren weiterhin abnehmende Wachstumsraten in Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen keine konjunkturelle Wende. Die im September erfolgten geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen von Fed und EZB unterstützen zwar die Aktienmärkte, sie waren jedoch erwartet worden. Profiteure dieser expansiven Geldpolitik werden Unternehmen und Staaten sein, denn stark steigende Renditen dürften ausbleiben. Die EZB wird ab November ihr Anleiheankaufprogramm in Höhe von 20 Mrd. EUR monatlich reaktiveren. Wann die Fed diesem Beispiel folgt, ist nur eine Frage der Zeit. Den ersten Schritt hat sie bereits getan: Im September intervenierte sie nach heftigen Verspannungen am Interbankenmarkt, um zusätzliche Liquidität bereitzustellen.

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