Entspannungssignale sowohl im Brexit als auch im Handelsstreit sorgten im Oktober an den Kapitalmärkten für Kursgewinne.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
31.10.2019

Die Aktienmärkte stiegen, regional wurden sogar wieder neue Allzeit- (S&P 500) oder Jahreshöchststände (DAX) markiert. Auch auf der Rentenseite vollzog sich eine ähnliche Entwicklung: Kredit-Risikoaufschläge engten sich ein und die Renditen von Benchmark-Anleihen stiegen. Langlaufende deutsche Bundesanleihen rentieren seit Monatsmitte wieder im positiven Bereich.

Was war ausschlaggebend für diese Entwicklung? Neben einem „Mini“-Deal zwischen den USA und China hatte die erneute Verschiebung des EU-Austrittsdatums Großbritanniens und die Neuaushandlung des Austrittsabkommens einen maßgeblichen Anteil an den Kapitalmarktbewegungen. Zwar ist weiterhin keines der beiden Probleme endgültig gelöst, eine weitere Eskalation blieb jedoch aus, was von Seiten der Anleger positiv aufgenommen wurde.  Was bewegte die Märkte noch? Im Oktober begann die Q3-Quartalsberichtssaison der börsennotierten Unternehmen. Erstmalig in diesem Jahr sind es nicht die europäischen Unternehmen, die mit rückläufigen Gewinnwachstumsraten zu kämpfen haben, sondern ihre US-amerikanischen Pendants. Da dies größtenteils erwartet wurde und die Unternehmen diese Erwartungen sogar bisher eher schlugen, blieb eine enttäuschte Reaktion auf die rückläufigen Gewinne in den USA aus. Weiterhin auffällig ist die Beständigkeit der US-Volkswirtschaft. Allen Warnsignalen zum Trotz blieb das BIP-Wachstumstempo im dritten Quartal nach ersten Schätzungen mit 1,9% auf der Potentialrate – der private Konsum sowie die Staatsausgaben halten die US-Wirtschaft am Laufen. Von einer Rezession ist weiterhin keine Spur, auch dank der Fed, die im Oktober ein drittes Mal in 2019 den Leitzins um 25 Basispunkte gesenkt hat. Die EZB tagte im Oktober ebenfalls. Neuigkeiten bezüglich ihrer geldpolitischen Agenda wurden jedoch nicht verkündet. Mario Draghi verabschiedete sich auf seiner letzten Sitzung nach acht Jahren als Präsident der Europäischen Zentralbank. Von seiner Nachfolgerin, Christine Lagarde, ist ein Richtungswechsel in der zukünftigen Geldpolitik nicht zu erwarten.

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