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Alles neu macht der Mai? Dieses Motto gilt dieses Jahr im speziellen Sinne auch für die Konjunktur.  Denn nach dem globalen Stillstand fasste die Weltwirtschaft im Mai vielerorts wieder Fuß. Der Pessimismus der letzten Monate gehört zumindest vorerst der Vergangenheit an. Die Gratwanderung zwischen Aufhebung der Restriktionen und einer Beibehaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen gelang, ohne eine erneute dynamische Infektionsentwicklung zur Folge zu haben. Im Gegenzug ging in den meisten europäischen Volkswirtschaften die Zahl an Neuinfektionen weiter zurück, sodass in den kommenden Wochen weitere Schritte, wie z. B. die Öffnung der innereuropäischen Grenzen, eingeleitet werden können.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
04.06.2020

In der Erwartung einer Rückkehr zur Normalität profitierten insbesondere zyklische Aktien, die von den vorher verhängten Beschränkungen am stärksten betroffen waren. Luftfahrt-, Reise- und Transportunternehmen holten zuletzt gegenüber den vom Stillstand eher weniger betroffenen Unternehmen an den Börsen deutlich auf. Auf der Anleiheseite profitierten vor allem Unternehmensanleihen mit schwächeren Bonitäten - ebenfalls ein Zeichen, dass die Zuversicht an den Finanzmärkten einer schneller als erwarteten Erholung wächst. Diese Hoffnung wurde auch von der Entwicklung der Konjunkturindikatoren, wie z. B. dem sich besser als erwarteten ifo Geschäftsklima, genährt.  

Unterstützung kommt weiterhin von Seiten der Fiskal- und Geldpolitik. Die immensen Rettungspakete werden wohl in den kommenden Wochen noch einmal ausgeweitet. Die Europäische Kommission erarbeitete ein Konjunkturprogramm mit einem Volumen von über 750 Mrd. Euro, von denen 500 Mrd. Euro als nicht rückzahlbare Zuwendungen enthalten sind. Auch die Notenbanken werden angesichts des weiter bestehenden Liquiditätsbedarf ihre Anleiheankaufprogramme noch einmal aufstocken. Erste Details hierzu sind bereits durchgesickert. Weitere Zinssenkungen erscheinen ebenso im Bereich des Möglichen. Die Bank of England und die Fed in den USA könnten ihre Leitzinsen erstmalig unter Null setzen.  Die Terminkurven haben bereits eine solche Entwicklung tendenziell vorweggenommen.

In der Vermögensverwaltung blieben wir im Betrachtungszeitraum mit einer Aktienquote von -10% zur Benchmark leicht vorsichtig positioniert. Die Durationspositionierung haben wir auf der Anleiheseite im Mai auf ein neutrales Gewicht verkürzt. Durch den Verkauf von schwedischen und US-amerikanischen Staatsanleihen haben wir auf der Rentenseite das Fremdwährungsexposure im Mai reduziert. Auf der Aktienseite blieben wir unserem Qualitätsanspruch mit einem Übergewicht von Technologieunternehmen und defensiven Konsumwerten treu.

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