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Der Juni brachte die vielfach erhoffte Erleichterung. Die COVID-19-Pandemie konnte in vielen Teilen der Welt zurückgedrängt werden, aber nicht überall. Immer wieder schossen in einigen Hot Spots die Neuinfektionszahlen steil nach oben. Auf den Kapitalmärkten trübte dies die Stimmung allerdings nicht. Ihre Sichtweise geht weit über den aktuellen Datenkranz hinaus, und tatsächlich brachte er die erhofften konjunkturellen Erholungssignale.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
02.07.2020

Der ifo Geschäftsklimaindex sprang nach oben, und viele andere Frühindikatoren weltweit ebenso. Für gute Stimmung sorgte ferner die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung Anfang des Monats. Der Umfang des Pandemie-Notfallankaufprogramms wurde um 600 Mrd. Euro auf 1.350 Mrd. Euro erweitert. Dies und das implizite Versprechen, den lockeren geldpolitischen Kurs für geraume Zeit fortzuführen, waren und sind Anschubkräfte für die risikoreicheren Anlageklassen. Entsprechend euphorisch reagierten die internationalen Aktienmärkte. Der deutsche Aktienindex DAX nahm Kurs in Richtung 13.000 Punkte auf. Die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen (Credit Spreads) verringerten sich weiter. Eine gewisse Entkopplung von Finanzmärkten und Realwirtschaft konnte nicht geleugnet werden. Und tatsächlich korrigierten die Aktienmärkte in der zweiten Monatshälfte wieder etwas. Die erwähnten Entkopplungserscheinungen werden nur dann nicht zum Problem für die Märkte, wenn sich die wirtschaftliche Genesung in den nächsten Monaten weiter fortsetzt. Bleibt sie aus, erfolgen Neubewertungen an den Märkten. Der nächste wichtige Test wird die Gewinnberichterstattung der börsennotierten Unternehmen für das 2. Quartal sein. Die Gewinne werden desaströs ausfallen; wichtiger wird sein, welchen Ausblick die Unternehmen für die nahe Zukunft geben werden. Daran hängt das Wohl und Wehe der Aktienmärkte. Von niedrigen Zinsen alleine kann der Aktienmarkt – im Gegensatz zu Gold etwa – nicht leben.

Phasen der Unsicherheit wie heute erfordern vor allem im Aktiensegment eine umsichtige Portfoliosteuerung, nicht aber aggressive Positionierungen in die eine oder andere Richtung. Daher bleiben wir in den Aktienquoten etwas unterhalb der neutralen Gewichtungen, vermeiden weitgehend Engagements in stark zyklischen Regionen und Sektoren und fokussieren uns auf Aktieneinzeltitel, die Qualitätsmerkmale aufweisen (beispielsweise starke Markstellung, geringe Verschuldung, hohe Eigenkapitalrenditen). Die Rentenmärkte stehen weiterhin unter dem Schutzschirm der Notenbanken, große Veränderungen der Renditekurven sind eher nicht zu erwarten. Insofern legen es die oftmals noch steilen Renditekurven nahe, die Laufzeitenauswahl nicht zu kurz zu gestalten. Die deutlich enger gewordenen Credit Spreads haben für die Portfolien ihre wohltuende Wirkung entfaltet, allerdings ist hier von Fall zu Fall zu prüfen, wo ein – auch neues - Engagement noch lohnend ist. Abgerundet wird unser Portfolio – überall dort, wo es geht – durch ein klares Übergewicht in Gold. Das Hoch vom September 2011 bei 1.921 US-Dollar pro Feinunze ist nahe.

In der Vermögensverwaltung blieben wir im Betrachtungszeitraum mit einer Aktienquote von -10 % zur Benchmark weiterhin leicht vorsichtig positioniert. Durch eine Aufstockung von italienischen Staatsanleihen wurde die Untergewichtung zur Benchmark in diesem Bereich reduziert. Auf der Aktienseite haben wir die kurzzeitige Schwäche von Gold genutzt, um die Position des Edelmetallproduzenten Wheaton Precious gegen einen Verkauf des marktbreiten S&P 500 auszubauen. Weiterhin haben wir noch einen Tausch der Deutschen Post in Randstad, eines der führenden Zeitarbeitsunternehmen, vorgenommen.

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