Trotz vermeintlichem Sommerloch gab es einige Ereignisse im Monat Juli, die die Aktien- und Rentenmärkte bewegten.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
01.08.2019

Die Gewinnberichterstattung der börsennotierten Unternehmen des zweiten Quartals begann, und auch einige Staaten veröffentlichten die ersten Schätzungen zum BIP-Wachstum. Die vergangenen Wochen zeigten hinsichtlich der Unternehmens- wie der Konjunkturdaten, dass die jahrelange US-Dominanz weiter anhält. Makroökonomische Frühindikatoren aus dem Bereich der Produktion gaben weiter nach und betrafen vor allem die europäischen Volkswirtschaften. Sie leiden in besonderer Weise unter dem globalen Nachfragerückgang. Der lahmende Welthandel, induziert durch den wachsenden Protektionismus und bilaterale Streitigkeiten, spiegelt sich zudem immer deutlicher in den Bilanzen der exportorientierten Unternehmen wider. Unternehmen aus dem Automobilsektor spüren die rückläufigen Absätze und kassieren sukzessive ihre Gewinn- und Umsatzprognosen. Währenddessen sind es in den USA wieder einmal die Tech-Unternehmen, denen es gelang, zweistellige Gewinnwachstumsraten im Vergleich zum Vorjahr zu generieren.

Auch die Notenbanken standen im Juli wieder im Fokus der Investoren. Die Europäische Zentralbank verkündete auf ihrer Sitzung zwar noch keine direkten Maßnahmen, sie ließ aber verlauten, dass eine Anpassung sämtlicher geldpolitischer Instrumente überprüft werde. Schon auf der nächsten Sitzung im September ist mit einer Zinssenkung und auch gegebenenfalls mit einer Wiederaufnahme der Anleihekäufe zu rechnen. Die Fed senkte erwartungsgemäß bereits auf ihrer Juli-Sitzung die Zinsen um 25 Basispunkte auf ein Zielband von nun 2,00% bis 2,25%.

Im Rahmen der Erwartung weiterer geldpolitischer Stimuli erreichten Aktienindizes lokal neue Allzeithochs (USA) und Renditen von Staatsanleihen höchster Bonität in Europa neue Allzeittiefs (deutsche Bundesanleihen). Für Aufsehen sorgte erneut Großbritannien. Durch die Wahl Boris Johnsons zum Premierminister ist ein No-Deal-Brexit wieder wahrscheinlicher geworden, auch wenn er zunächst nur ankündigte, das Withdrawal Agreement (Austrittsvereinbarung) neu verhandeln zu wollen – diese wurde prompt von der EU abgelehnt. Bis zum angedachten Austrittstermin am 31. Oktober wird dieses Thema die Märkte mit Sicherheit noch häufiger beschäftigen. Unsicherheit ist vorprogrammiert: Das Pfund erreichte im Juli ein Zwei-Jahrestief.

Artikel teilen