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„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach, wir Armen!“. So ist es im ersten Teil von Goethes Faust zu lesen. Die Magie und Anziehungskraft des Goldes hält bis heute an. Und am 28. Juli war es dann soweit: Der Goldpreis stieg auf ein neues Hoch von 1.981 US-Dollar pro Feinunze.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
03.08.2020

Ursächlich dafür war vor allem der anhaltende Rutsch der Realverzinsung sicherer Anleihen. Damit sind die Opportunitätskosten der Goldhaltung weiter geschrumpft. Die schleichende Dollarschwäche und die anhaltende Unsicherheit über die Corona-Pandemie kamen noch hinzu. Steigende Staatsverschuldung und die weltweit aggressive Notenbankpolitik befeuerten die Nachfrage nach dem ultimativen Zahlungsmittel zusätzlich. Es war also keine akute Krise, die den Goldpreis steigen ließ, sondern ein Bündel verschiedener Umstände, die so bald nicht verschwinden werden.

Die Aktienmärkte gaben zwischenzeitlich und gegen Ende des Monats etwas von ihren Gewinnen ab. Die desaströsen BIP-Zahlen – die amerikanische Wirtschaft schrumpfte im 2. Quartal in der annualisierten Jahresrate um 33 % – waren zwar erwartet, schmeckten den Märkten jedoch nicht wirklich. Ein Trendwechsel hin zu fallenden Märkten war jedoch nicht zu erkennen. Die Gewinnberichterstattung der börsennotierten Unternehmen für das 2. Quartal war alles in allem im Rahmen der – zuvor deutlich abgesenkten – Erwartungen. Den Aktienmärkten kommt zugute, dass die konjunkturelle Genesung weiter voranschreitet. Der ifo-Geschäftsklimaindex konnte sich im Juli zum dritten Mal in Folge verbessern. Auch global scheint sich die wirtschaftliche Aktivität weiter zu erholen. Die populär gewordenen wirtschaftlichen Aktivitätsindizes in Echtzeit (etwa unter der Verwendung von Daten zum Stromverbrauch oder zur Mobilität) zeigen, dass die Lockerungsmaßnahmen die erhoffte wirtschaftliche Wirkung entfaltet haben. Gleichwohl liegt das Niveau der ökonomischen Aktivität noch spürbar unter dem Normalniveau, und die Rückkehr zur kompletten Normalität wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Rentenmärkte notierten fest. Die Renditen für US-amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit liegen mittlerweile bei unter 0,6 %. In Europa konnten sich die Renditeaufschläge für die Staatsanleihen der Peripherie zum Teil einengen oder blieben weitgehend unverändert. Die Rendite für italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit fiel im Monatsverlauf erstmalig unter 1 %, Mitte März lag sie noch bei rund 2,5 %. Der bis zu 750 Mrd. Euro umfassende „EU-Wiederaufbaufonds“ ließ die „Italien-Risikoprämie“ abschmelzen, natürlich neben den ohnehin weiter getätigten Anleihekäufen durch die Europäische Zentralbank. Auf den Märkten für Unternehmensanleihen machte sich die Sommerflaute bemerkbar: Die Neuemissionstätigkeit ging zurück, die Renditeaufschläge veränderten sich im Schnitt kaum.

Alles in allem also ein vergleichsweiser ruhiger Monat an den Kapitalmärkten, sieht man von den eingangs geschilderten Bewegungen bei den wichtigen Währungen Gold und US-Dollar einmal ab.

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