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Konjunkturzuversicht und Inflationsängste bestimmten im Februar das Kapitalmarktgeschehen. Renten- und Aktienmarkt waren davon jedoch unterschiedlich betroffen. Ersterer litt, die Aktienmärkte profitierten. Erst wenn ein (vor allem realer) Zinsanstieg als zu stark angesehen wird und das Potential hat, die Konjunktur- und Gewinnaussichten zu trüben, drückt das den Aktienmarkt.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
01.03.2021

Dieser Punkt dürfte noch nicht erreicht sein. Auch in der kürzeren Historie betrachtet, sind die Zinsen am langen Ende des Kapitalmarktes nämlich noch niedrig – trotz der jüngsten Bewegungen. Vor gut zwei Jahren notierte die zehnjährige US-Staatsanleihe bei rund 3 %, immerhin gut doppelt so hoch wie heute.

Dennoch: Der Februar zeigte sich auf den Rentenmärkten von seiner hässlichen Seite. Die Renditen stiegen kräftig. Schon Mitte des Monats waren unsere zu Beginn des Jahres formulierten Renditekorridore durchbrochen worden. Die Rendite für zehnjährige US-Treasuries notierte bei fast 1,4 %. Wir erwarteten für 2021 einen Renditekanal von 0,6 % bis 1,2 %. Rund um den Globus verschoben sich die Renditekurven nach oben. Inflationsängste dominierten. Die Notenbanken wiegeln zwar ab und sehen im Anstieg der Inflationsraten ein vorübergehendes Phänomen – heißen ihn nach Jahren zu geringer Inflation sogar willkommen. Die Gefahr besteht jedoch, dass mit weiter anziehenden Teuerungsraten die Renditen ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Der Aktienmarkt reagierte – unter der Oberfläche von breiten Marktindizes – übrigens bereits auf die neue Zinslandschaft. Technologiewerte, tendenziell mit höherer Zinsempfindlichkeit ausgestattet, können in der Wertentwicklung mit Aktien aus zyklischen Sektoren oder mit Finanzwerten nicht mehr mithalten, und das vielfach schon seit Ende des letzten Jahres.

Alles in allem steuern die Kapitalmärkte offenbar auf eine Bifurkation zu – eine Gabelung, die zu neuen Zuständen führt. Am offensichtlichsten ist dies wie beschrieben auf den Anleihemärkten. Das „Low for long“-Regime – für lange Zeit sehr niedrige Zinsen – wankt bedenklich, ohne dass die Notenbanken ihrerseits an den Leitzinsen Veränderungen beabsichtigen. Solche Prozesse verlaufen in der Regel weder vorhersehbar und gleichförmig, noch ohne Disruptionen ab. Daher sind wir gefordert, bewusst eingegangene Portfoliorisiken auf der Rentenseite – namentlich die Auswahl von mittleren und längeren Laufzeiten – auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls kräftig zu reduzieren.

Auf der Aktienseite war der Februar durch Gewinnrealisierungen geprägt. Glencore lieferte binnen kurzer Zeit hohe Gewinne, so dass die Position – eingegangen Anfang Februar – nach nur zwei Wochen halbiert wurde. Netease, ein chinesischer Internet- und Technologiekonzern, wurde nach starkem Kursanstieg komplett veräußert. Auf der Kaufseite standen der US-Wert Johnson & Johnson (Pharma, Health Care, Konsumgüter), Ping An (Finanzdienstleister, Versicherer in China) und Agnico Eagle (Bergbau/Goldmine in Kanada). Soviel zu den wesentlichen Transaktionen. 

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