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Die Corona-Krise ebbt ab. Sowohl in Europa als auch in den USA ging die Zahl der Infizierten zurück und die der Genesenen stieg an. Eine schrittweise Lockerung der Ausgangssperren und Kontaktverbote wurde aufgrund der sich abzeichnenden Entspannung in einigen Ländern bereits in die Wege geleitet oder zumindest in Aussicht gestellt. Auch wenn die Angst vor einer zweiten Infektionswelle bleibt, sind die ersten Schritte in Richtung einer Normalisierung des öffentlichen Lebens getan.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
30.04.2020

Die konjunkturellen Bremsspuren des Stillstandes werden immer deutlicher. Stimmungsindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes fielen in bisher unbekannte Tiefen und Arbeitslosenzahlen gingen – insbesondere in den USA – in die Höhe. Welcher Schaden dadurch wirklich entsteht, ist jedoch weiterhin nur schwer zu prognostizieren. Nahezu im Wochentakt werden volkswirtschaftliche Vorhersagen revidiert. Die ersten Schätzungen für die Wirtschaftswachstumsraten aus den USA zeigen jedoch, dass bereits im ersten Quartal die ökonomische Aktivität deutlich zurück ging (US-BIP Q1: -4,8 % z. Vj.).

Investoren gewichteten allerdings offensichtlich die rückläufigen Neuinfektionszahlen stärker als die aktuelle Tiefe der Rezession. Denn obwohl die gerade beginnende Quartalsberichterstattung schwach verläuft, stiegen die Aktienkurse in der Breite wieder kräftig. Die Aussicht auf eine V-förmige Konjunkturerholung im zweiten Halbjahr sorgte für eine regelrechte Rally an den Aktienmärkten. Mehr als die Hälfte der Kursverluste konnte seit dem Tiefpunkt Mitte März wieder wettgemacht werden. Die Volatilität ging zurück und auch die konjunktursensiblen Unternehmen, wie z. B. Banken oder Industrieunternehmen, konnten Boden gegenüber ihren defensiven Pendants wieder gut machen. Ähnlich lässt sich die Einengung von Risikoaufschlägen insbesondere der bonitätsschwächeren Unternehmensanleihen erklären.

Derweil legten die extremen Preisverwerfungen im Ölpreis – im April auslaufende Terminkontrakte der US-amerikanischen Sorte WTI notierten zeitweise deutlich negativ – schonungslos offen, dass Imbalancen am Kapitalmarkt nach wie vor existieren.

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