H & A Aktien Global auf Wachstumskurs

Interview mit dem Fondsmanager Christian Gombert

Zum 30.06.2018 hat Christian Gombert das Fondsmanagement des H & A Aktien Global übernommen. In unserem Interview spricht er über seine erfolgreiche Strategie und mögliche Auswirkungen des Brexits.

Herr Gombert, seit wann haben Sie das Portfoliomanagement des H & A Aktien Global übernommen? Was hat sich seitdem im Portfolio geändert und welche Strategie verfolgen Sie?

Ich habe den Fonds zum 30.06.2018 übernommen. In einer Zeit, wo die Konjunkturängste in den USA und den Schwellenländern zugenommen haben. Daher waren die ersten Monate auch recht anstrengend. Wir haben uns dann entschieden, einen mehrstufigen Investmentprozess zu etablieren und vor allem Qualitätswerte zu kaufen. Aus unserer Sicht sind Qualitätswerte Unternehmen mit einer starken Marktstellung, einer soliden Bilanz und überdurchschnittlicher Eigenkapitalverzinsung. Es gibt zwei wesentliche Änderungen in unserer Strategie: Zum einen investieren wir nur noch in stark kapitalisierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung über 10 Mrd. Euro und zum anderen hat sich der regionale Fokus zu Gunsten von Asien/Australien mit rund 25% verschoben.

Welche Unternehmen sind neu im H & A Aktien Global aufgenommen worden und von welchen haben Sie sich getrennt?

Nahezu 70% der bisherigen Aktien wurden ausgetauscht. Generell befinden sich weniger zyklische Aktien im Fonds, vielmehr liegt der Fokus auf strukturell wachsenden Unternehmen. Wir sind komplett in den Bereichen Automobile und stationärem Handel desinvestiert, weil beide Branchen vor strukturellen Herausforderungen stehen. So sind die Anforderungen der Automobilwerte hinsichtlich der E-Mobilität sehr hoch und der weiterhin stark wachsende Markt von E-Commerce stellt den stationären Handel vor Veränderungen. Der regionale Fokus der Titel lässt sich wie folgt beschreiben: In den USA halten wir vor allem Technologie- und Internetaktien bekannter Unternehmen wie Facebook, Alphabet (u. a. Google), Mastercard und Visa. In Europa bevorzugen wir die defensiven Konsumwerte wie den weltweit größten Spirituosenhersteller Diageo (Tanqueray, Baileys, Smirnoff u. v. m.), den Verbrauchsgüterhersteller Unilever (Knorr, Langnese u. v. m.) sowie den Kosmetikkonzern L´Oréal und einige strukturell wachsende Unternehmen wie Deutsche Börse, der Schweizer Warenprüfkonzern SGS oder der Spezialitätenchemie-Hersteller für Industrie- und Baustoffe Sika. In Asien und Australien werden vor allem Finanzwerte erworben. Der Fokus auf Qualitätswerte hat dazu geführt, dass die bisherigen Berichtsperioden ohne große Gewinnwarnungen überstanden wurden. Lediglich der Entwickler von Grafikprozessoren Nvidia litt kurzfristig am schwächeren Ausblick.  Die Position wurde anschließend aber in Kursstärke verkauft.

2019 haben Sie mit Ihrem Ansatz die Benchmark um 3% outperformt. Was sind die Gründe? 

Wesentlicher Grund für die Outperformance liegt in der Selektion und hier im Fokus auf Qualitätswerte. Nahezu alle Unternehmen konnten einen positiven Beitrag zu Performance liefern. Hervorzuheben sind an dieser Stelle möglicherweise die asiatischen Werte wie PingAn (chinesische Versicherung), HDFC Bank (indische Bank) und Tencent (chinesischer Internet-Technologie-Wert). Aber auch die britischen Unternehmen Diageo und London Stock Exchange (LSE) haben sich positiv entwickelt.

Neben der Selektion finden nahezu 70% aller Trades im Fonds in bestehenden Positionen statt, da wir einen langfristigen Blick in der Analyse unserer Investments haben. Das führt dazu, dass die bestehenden Positionen aktiv gemanagt und kurzfristige Gewinne realisiert werden – kurzfristige Kursrückgänge nutzen wir ebenfalls zum Nachkauf. Bei zunehmender Volatilität bietet diese Taktik weiteres Potenzial.

Ist der Brexit für Sie und Ihre Titel ein Thema? 

Ja, der Brexit kann ein Problem für das Portfolio werden. Vor allem, da der Ausgang immer noch mit viel Unsicherheit verbunden ist – was genau das Parlament beschließen wird und wie die Märkte darauf reagieren werden. Allerdings sind wir zuversichtlich, dass Qualitätswerte in diesem Umfeld besser laufen werden. Unser direktes Exposure zu britischen Werten ist gering. Neben der LSE haben wir einige defensive Konsumwerte. Als Hedge für die Brexit-Unsicherheit sind wir einerseits in Asien investiert, andererseits haben wir rund 10% Sicherheitspolster durch Kassa und Gold aufgebaut.

Wie sehen Sie die Perspektive für Aktienmärkte allgemein und wie stehen die Chancen des H & A Aktien Global?

Der H & A Aktien Global ist gut aufgestellt. Durch unsere geänderte Strategie profitiert der Fonds von starken Unternehmen, die in unsicheren Zeiten weiterhin Geld an die Aktionäre in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden zahlen können und gleichzeitig von Gesellschaften, die strukturell auch in Zukunft wachsen werden. Einige Beispiele hierfür: In einer Welt des Warenaustauschs wird die Kontrolle der Waren wichtiger, hiervon profitiert das „TÜV“-Unternehmen SGS. Auch die entstehende Mittelschicht in den Schwellenländern bzw. die Erbengesellschaft in der entwickelten Welt wird konsumieren, wovon die Luxusunternehmen profitieren. Indien wird aufgrund der Bevölkerung weiterhin wachsen, wodurch der Bedarf an Krediten ebenfalls steigt. Dies gilt genauso für Indonesien, hier profitieren die beiden Qualitätsbanken HDFC Bank und Bank Central Asia. Aus unserer Sicht ist das Potenzial der FAANG-Aktien noch nicht ausgereizt. Medieninhalte werden zukünftig anders konsumiert und mobile Daten werden die Welt von morgen bestimmen.

Wir sind zuversichtlich, dass sich der eingeschlagene Weg auch in der Beurteilung des Fonds durch Ratingagenturen zeigen wird. Seit Jahresanfang gehört der Fonds zu den besten seiner Zunft bei Morningstar – und das soll erst der Anfang sein.

Vielen Dank.

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