Investoren achten längst nicht mehr allein darauf, nachhaltig zu investieren, sondern wollen mit ihrer Geldanlage auch eine konkrete positive Wirkung erzielen. Entsprechend rasant wächst auch der sogenannte Impact-Investing-Markt.

Was ist Impact Investing?

Die Idee des Impact Investing hat in den vergangenen 10 Jahren einen wahren Boom erlebt. Hatte dieser Markt im Jahr 2009 laut einer Schätzung der Beratungsfirma Monitor Institute noch ein Volumen von etwa 50 Milliarden Dollar, so waren es Ende 2018 nach Angaben des Global Impact Investing Network (GIIN) über 500 Milliarden Dollar – also mehr als zehnmal so viel. Diese Art des Investierens zählt zur nachhaltigen Geldanlage. Während nachhaltige Investments allerdings eher darauf abzielen, entsprechend den ESG-Kriterien ökologische, soziale, ethische oder Governance-Risiken im Portfolio zu reduzieren, will ein Impact Investor eine konkrete und messbare positive Wirkung auf die Umwelt oder die Gesellschaft erzielen. 

Impact Investing als Folge der Finanzkrise

Dass das zunehmende Interesse an dieser Investmentform zeitlich mit den Nachwehen der Finanzkrise zusammenfällt, ist kein Zufall. Zwar gibt es die Idee des Impact Investing schon länger, doch weil offensichtlich war, dass die öffentlichen Investitionen aufgrund der hohen Verschuldung infolge der Finanzkrise zurückgehen würden, veranstaltete die Rockefeller-Stiftung in den Jahren 2007 und 2008 zwei Konferenzen, um über mögliche Lösungen zu sprechen. Und daraus entwickelte sich die Idee, diese Lücke, die aus dem Rückzug der Staaten entstanden war, über Impact Investments zumindest teilweise zu schließen. 

Vor allem Stiftungen und vermögende Anleger investieren wirkungsorientiert

Auf diese Konferenzen geht auch die Gründung von GIIN zurück – ein Netzwerk für große institutionelle und private Anleger, die sich mit diesem Thema beschäftigen möchten Und diese Organisation gewährt tiefe Einblicke in den Impact-Markt. Zum Beispiel darüber, wer dort eigentlich aktiv ist. Neben staatlichen oder staatsnahen Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen sind das laut GIIN vor allem Stiftungen, High Net Worth Individuals (HNWI), also sehr vermögende Privatkunden, Family Offices oder institutionelle Investoren. 

Eine hohe Rendite ist nicht vorrangiges Ziel

Und deren Motivation ist nicht allein renditegetrieben. Denn laut dem „Impact Investor Survey 2018“ von GIIN halten nur 31 Prozent der auf diesem Markt tätigen Anleger die mit Impact Investments zu erzielenden Renditen für attraktiver als die Erträge anderer Anlageklassen. Und auch der zusätzliche Diversifikationseffekt ist nur für etwas mehr als ein Fünftel der Anleger ein Argument, um wirkungsorientiert zu investieren. Stattdessen gilt für so gut wie alle Impact-Investoren, dass die positive Wirkung ihrer Investments zentraler Bestandteil ihrer Mission ist. Etwas, was bei gemeinnützigen Stiftungen und Entwicklungsorganisationen gut nachvollziehbar ist. Allerdings scheinen sich das zunehmend auch vermögende Privatkunden zur Aufgabe zu machen. 

Beliebteste Investitionsformen: Private Debt und Private Equity 

Die nächste Frage, die sich daraus ergibt, ist die, wie Impact-Investoren bei der Kapitalanlage vorgehen. Insgesamt, so die GIIN-Studie weiter, sind 41 Prozent der verwalteten Gelder in diesem Bereich in Private Debt, also privat platzierten Schuldverschreibungen, investiert. Dabei gibt der Schuldner beispielsweise eine Anleihe heraus, bei der der Anleger in jedem Fall die Rückzahlung des eingesetzten Geldes am Ende der Laufzeit erhält, zum Teil bekommt er auch eine regelmäßige Zinszahlung. Am zweithäufigsten wird mit 18 Prozent Private Equity genutzt. Das heißt, die Investoren beteiligen sich am Eigenkapital einer privaten Firma. Die Idee ist es dabei, bei einem späteren Exit, zum Beispiel über den Börsengang oder den Verkauf an einen strategischen Investor, von dem gestiegenen Wert des Unternehmens zu profitieren. 

Geschäftsmodelle und Sektoren für Impact Investing

Dagegen spielen öffentliche gehandelte Aktien oder Anleihen sowie Impact-Investments in reale Werte wie beispielsweise Immobilien und Cash-Einlagen oder aktienähnliche Schuldverschreibungen nur eine kleinere Rolle. Soweit es die Zielfirmen selbst betrifft, ist mit 39 Prozent das meiste Geld in reiferen Firmen, die sich bereits länger am Markt befinden und die Funktionsfähigkeit ihres Geschäftsmodells unter Beweis  gestellt haben, investiert und mit 35 Prozent in Unternehmen, die sich in der Wachstumsphase befinden. Die Sektoren, in die der größte Teil des Impact-Kapitals fließt, sind die Nahrungsmittelproduktion und die Landwirtschaft, gefolgt von Finanzdienstleistern, dem Energie- und dem Wohnungssektor und der Mikrofinanz. 

Impact Investing zeigt einen Trend

Zwar steckt der gesamte Markt noch in den Kinderschuhen. Aber es ist eine Entwicklung, die zeigt, dass sich Investoren zunehmend der Probleme in der Welt bewusst werden. Und dass immer mehr Anleger auch bereit sind, mit ihrem Kapital etwas Positives zu bewirken – unabhängig von der damit erzielbaren Rendite.

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