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Das verwaltete Vermögen von Private Equity- und Venture Capital-Fonds in Luxemburg wächst seit einigen Jahren stetig. Die steigenden Volumenzahlen belegen einen klar erkennbaren Trend: Immer mehr Private Equity- und Venture Capital-Häuser entscheiden sich für den Fondsstandort Luxemburg oder nehmen auch vermehrt für ihre deutschen Vehikel Luxemburger Fondsmanager in Anspruch. Im Großherzogtum gibt es mittlerweile über 600 Fondsstrukturen im Bereich Private Equity und Venture Capital mit mehr als 100 Milliarden Euro investiertem Kapital. Die global führenden Private Equity-Häuser sind in Luxemburg aktiv und bevorzugen für ihre Investitionen oftmals luxemburgische Strukturen.

Vielfältige Strukturierungsmöglichkeiten für PE- und VC-Fonds

Hintergründe sind neben der internationalen Expertise und der langjährigen Erfahrung im Private Equity- und Venture Capital-Segment auch die kontinuierlichen Produktinnovationen verbunden mit der steuerlichen, rechtlichen, politischen und ökonomischen Stabilität in Luxemburg. In der Vergangenheit waren für die vorgenannten Protagonisten im Wesentlichen die Gesetze vom Februar 2007 über die Spezialfonds (SIF-Gesetz) und vom Juni 2004 über Wagniskapitalgesellschaften (SICAR-Gesetz) maßgeblich, mit denen sich Luxemburg als Standort für alternative Investmentfonds frühzeitig etabliert hat. Die luxemburgische Regulatorik bietet Private Equity und Venture Capital Gesellschaften seit der AIFMD Richtlinie darüber hinaus eine Vielzahl von Strukturierungsmöglichkeiten für Fondsvehikel. Im Zuge der Modernisierung des Aufsichtsrechts im Jahr 2016 wurde eine weitere Neuerung für die genannten Initiatoren in Form von RAIFs (Reserved Alternative Investment Funds) eingeführt. Hierdurch wurde der Investmentstandort Luxemburg nochmal attraktiver für Private Equity- und Venture Capital-Gesellschaften, da flexiblere Strukturierungsoptionen zur Verfügung stehen.

Die Kommanditgesellschaft bringt darüber hinaus einige Wettbewerbsvorteile für Private Equity- und Venture Capital-Gesellschaften mit sich, da ein Fonds entweder als reguliertes Vehikel in Form einer SICAR oder eines SIF-Fonds, aber auch unreguliert gemäß gesellschaftsrechtlichen Vorgaben gestaltet werden kann. Als weiteres (unreguliertes) Produkt kann die Struktur eines RAIFs gewählt werden, bei der z. B. eine Kommanditgesellschaft entsprechend von einem alternativen Fondsmanager (AIFM) verwaltet werden müsste, da das Vehikel selbst nicht einer direkten Aufsicht der CSSF untersteht. Die Fondsinitiatoren konnten hierdurch in den letzten Jahren aufgrund der Schnelligkeit und Flexibilität im Auflageprozess auf den RAIF zurückgreifen. Im Jahr 2017 wurden bereits dreimal mehr RAIFs als Spezialfonds aufgelegt und dieser Trend hat sich in den nachfolgenden Jahren weiter verstärkt. Diese flexibel gestaltbare Anlageform verbindet die steuerlichen und rechtlichen Vorteile der regulierten und unregulierten Welt und verkürzt zudem erheblich den Zeitraum (Time to Market) bis zur Auflage des Vehikels. Die Möglichkeit eines europäischen Passes, mit dem ein rascher Vertriebsbeginn in allen EU-Ländern stattfinden kann, ist ein weiterer Vorteil.

Verknüpfung deutscher Fondsvehikel in Kombination mit luxemburgischen Fondsmanagern

Auch bei geschlossenen deutschen Fondsstrukturen im Bereich Private Equity und Venture Capital kann die Nutzung eines luxemburgischen Fondsmanagers über das AIFM-Passporting im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr in Kooperation mit einer in Deutschland domizilierten Verwahrstelle eine geeignete Alternative sein. Aufgrund verschiedener Faktoren entscheiden sich vermehrt deutsche Kapitalverwaltungsgesellschaften, ihre in Deutschland domizilierten AIFs über luxemburgische AIFMs verwalten zu lassen. Hierbei erfolgt unter anderem auch wiederum eine Rückauslagerung des Portfoliomanagements an die initiierenden PE-Manager, sodass im Ergebnis eine primäre Fokussierung auf deren Kerngeschäft sichergestellt werden kann. Ferner müsste sich eine deutsche registrierte KVG bei einer Überschreitung der 500 Mio. Euro-Grenze nicht mehr notwendigerweise um eine Zulassung bemühen und wäre durch die Beauftragung eines luxemburgischen Fondsmanagers zeitnah handlungsfähig. Zudem würde in dieser grenzüberschreitenden luxemburgischen Manager-Konstellation mit einer deutschen Struktur auch der schnelle Vertriebsstart in alle EU-Länder möglich sein.

Sowohl deutsche als auch luxemburgische Strukturen bieten ihre entsprechenden Vorteile und können je nach Kundenbedürfnis sinnvolle Optionen sein. Unabhängig davon welches der beiden Domizilierungsländer für die etwaigen PE- und VC- Fonds im Ergebnis gewählt wird, können diese jeweils durch eine One-Stop-Shop Solution verwaltet und verwahrt werden.

Reza Keyhani
Hauck & Aufhäuser Business Development Asset Servicing

+49 (0) 89 2393-2166
Reza.Keyhani@hauck-aufhaeuser.com

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