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Mittlerweile sind global rund 70.000 Krankheitsfälle des Coronavirus bekannt – Tendenz steigend. Über 1.700 Menschen sind an den Folgen der Krankheit bisher gestorben. Damit liegt die Zahl der Erkrankten und Verstorbenen bereits jetzt deutlich über der des SARS-Virus von 2002/2003. Das Letalitäts-Verhältnis liegt allerdings darunter. Auch wenn weiterhin der Großteil der Neuerkrankungen in China erfolgt, kann die weltweite Ausbreitung aufgrund der langen Inkubationszeit noch nicht abgeschätzt werden.

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer von Hauck & Aufhäuser | Geschäftsführer von H&A Global Investment Management
17.02.2020

Der Ursprung des Virus

Der Ursprung des Virus liegt in Wuhan, Hauptstadt der Provinz Hubei, in der auch der große Teil der Erkrankten und Verstorbenen gemeldet wurde. Die chinesische Regierung handelte entschlossen: Mehrere Großstädte in der Provinz wurden vom Personenfernverkehr ausgeschlossen und isoliert, Produktionen bis auf weiteres ausgesetzt und die nationalen Feiertage rund um das chinesische Neujahrsfest um drei Tage verlängert. Denn das neuartige Coronavirus ist hochansteckend und hat eine lange Inkubationszeit von rund zwei Wochen. Daneben kann die Übertragung der Erreger auch ohne die Anzeichen von Krankheitssymptomen erfolgen.

Um eine weitere Ansteckung zu vermeiden, setzten internationale Fluggesellschaften wie British Airways oder Lufthansa ihre Verbindungen nach China aus.

Die drastischen Schritte lassen erste Erfolge erkennen: Die Neuerkrankungsraten sind in ihrer Tendenz rückläufig. Für eine endgültige Entwarnung ist es jedoch aufgrund der langen Inkubationszeit zu früh.

Chinas Anteil am welt-Bip (in %)

Ökonomische Auswirkungen


Der durch das Coronavirus verursachte ökonomische Schaden lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur schätzen. Grundsätzlich sind vier Transmissionskanäle auszumachen, wie sich das Coronavirus auf das globale Bruttoinlandsprodukt auswirkt. (1) Der am größten zu erwartende Effekt dürfte vom Rückgang der Wachstumsgeschwindigkeit der chinesischen Volkswirtschaft ausgehen. Erste Schätzungen gehen aufgrund der verhängten Produktionskürzungen und der zusätzlichen Feiertage von einer Stagnation des chinesischen BIP im ersten Quartal aus. Unterstellt man ein chinesisches Trend-Wachstum von 5-6 % dürfte alleine dieser Effekt rund 1 % negativ zum globalen BIP beitragen. Denn Chinas Anteil am Welt-BIP beträgt mittlerweile über 16 Prozent. (2) Daneben dürften die Güterexporte nach China, die für rund 2,5 % des globalen Bruttoinlandsproduktes stehen, spürbar zurückgehen. (3) Auch die chinesischen Dienstleistungsimporte werden aufgrund der deutlich zurückgefahrenen Reisetätigkeit der heimischen Bevölkerung rückläufig sein. (4) Zuletzt sind noch Multiplier-Effekte zu nennen, die sich aufgrund des schwächeren chinesischen Wachstums auch auf die inländischen Ausgaben anderer Staaten auswirken. Im Aggregat könnte sich also die globale Wachstumsrate aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus mit den gemachten Annahmen von erwarteten 3,25 % auf 1,5 - 1,75 % in Q1 in etwa halbieren. Angesichts der sich nun abflachenden Neuinfektionsraten sollte die konjunkturelle Delle auf Jahressicht allerdings durch Nachholeffekte im kommenden Quartal deutlich abgemildert werden können – wenn Konsumentenvertrauen und globale Lieferketten aufgrund langfristiger Produktionskürzungen keinen nachhaltigen Schaden genommen haben. Die Konjunktur könnte dann wieder anziehen und die Verlangsamung teilweise kompensieren. Ähnlich war es 2003 im Falle der SARS-Epidemie zu beobachten

Kapitalmarktimplikationen

Eine erste Marktkorrektur setzte Ende Januar unmittelbar nach Bekanntwerden des Ausbruchs ein. Der DAX gab rund 600 Punkte nach, der chinesische CSI 300 Aktienindex verlor an einem Tag sogar mehr als 8 % und die Rendite von deutschen Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit fiel auf unter -0,4 %. Zwei Wochen später stehen die Aktienkurse global wieder nahe ihrer Allzeithöchststände; die erste negative Sentimentwelle scheint bereits also vollständig wieder korrigiert zu sein. Dabei sind die oben skizzierten Auswirkungen bisher weder in Soft- noch in volkswirtschaftlichen Harddaten ersichtlich.  Als erstes dürfte der Einzelhandel die Auswirkungen des Coronavirus aufgrund des Konsumrückgangs zu spüren bekommen haben. Während der SARS-Epidemie 2003 ging der inländische Einzelhandelsumsatz von einer durchschnittlichen Jahresswachstumsrate von 9 % auf rund 4 % zurück. Eine ähnliche Reaktion ist jetzt zu erwarten. Besonders betroffen von den Umsatzeinbußen dürften Luxusgüterhersteller wie Moncler, Burberry oder Swatch sein, die allesamt einen hohen Anteil ihrer Umsätze in China generieren. Die Aktienkurse dieser Unternehmen gaben als Reaktion auf die Information der Ausbreitung des Coronavirus Ende Januar dementsprechend stark nach. Weitere Kursabschläge sind insbesondere bei Veröffentlichung der Quartalszahlen und den daraus resultierenden Gewinn- und Umsatzzielverfehlungen in den kommenden Monaten höchst wahrscheinlich. Daneben dürfte es auch die Automobilhersteller treffen, die aufgrund der stillgelegten Produktionen in China bereits jetzt einen Engpass von Automobilteilen vermelden. Der ohnehin schon angeschlagene Sektor dürfte also seinen Erholungspfad zunächst zumindest temporär wieder aussetzen.

Things to watch

Die ersten Erkenntnisse über den verursachten Schaden werden aus den Einkaufsmanagerindizes der Industrie für den Monat Januar herauszulesen sein, die Ende Februar veröffentlicht werden. Nicht unwahrscheinlich ist, dass zyklische und exportorientierte Unternehmen an den Börsen dann erneut mit Abschlägen gehandelt und sichere Häfen wie US-Staatsanleihen und deutsche Bundesanleihen stärker nachgefragt werden (Flight-to-Quality). Die zuletzt geringe Volatilität an den Aktienmärkten dürfte dann wieder spürbar anziehen.

Angesichts abnehmender Neuerkrankungsfälle wird der wachstumsdämpfende Effekt jedoch nur vorübergehender Natur sein. Aufholeffekte in den kommenden Monaten sind wahrscheinlich. Für die Asset Allocation bedeutet dies, dass auf Sicht der nächsten Wochen defensive Aktientitel gegenüber ihren zyklischen Pendants gewinnen dürften. Die Abschläge können allerdings auch wiederum genutzt werden, um Exposure in diesen Titeln aufzubauen. Denn nach einer vorübergehenden Phase der konjunkturellen Eintrübung sollte die zyklische Aufhellung global wieder an Fahrt aufnehmen. Die Rahmenbedingungen für dieses wachstumsfreundliche Szenario sind weiterhin gegeben.

Luxus-Aktien und Umsatz in China

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