Demnächst ziehen damit gleich zwei Frauen in den EZB-Turm ein - die Französin Christine Lagarde und auch die Deutsche Isabel Schnabel als neues Direktoriumsmitglied. Bisher hat der Euro darauf mit stetig fallendem Kurs reagiert.
Was ist von den beiden nun zu erwarten? Unser CIO blickt kritisch auf eine Zinspolitik, die aktuell insbesondere einem Menschentyp schadet: dem gemeinen Sparer.  

Portrait Burkhard Allgeier Chief Investment Officer
Burkhard Allgeier
Chief Investment Officer und Head of Strategy & Research
29.10.2019

Die Erste ist ausgewiesene Politikerin. Sie wird danach streben, die offensichtliche innere Zerrissenheit der geldpolitischen Entscheidungsträger in einer der weltweit bedeutendsten Notenbanken zu überwinden. Ihr Ziel wird es sein, mehr Konsens statt Dissens zu schaffen. Das geht aber nicht von alleine. Dafür dürfte Isabel Schnabel genau die Richtige sein. Als Professorin für Financial Economics (Finanzmarktökonomie) ist sie eine willkommene Bereicherung für die EZB. Zuletzt hat sie einen „konstruktiven Vorschlag zur Reform des Euroraums“ vorgelegt, der sechs Punkte umfasst – darunter auch einen gemeinsamen, nicht jedoch kreditfinanzierten Fonds, getragen von allen Mitgliedstaaten zum Zwecke der Abfederung von wirtschaftlichen Krisen. Sie denkt also nicht dogmatisch, sondern pragmatisch. Solches Denken ist nun auch von der EZB gefordert.  

Jahrelange Zielverfehlungen bei der Steuerung der Inflationsrate („nahe, aber unter 2%“) sollten zum Anlass genommen werden, das Zielsystem zu überprüfen. Sind 2 % überhaupt haltbar? Was könnten die Alternativen sein? Welches Instrumentarium sollte dafür eingesetzt werden? Das sind wichtige Fragen, die sich die EZB zu stellen hat. Eine Überprüfung von Zielen und Mitteln der Geldpolitik schafft mehr Vertrauen, und hilft zudem, einer Überforderung der Geldpolitik Einhalt zu gebieten. Die Steuerung von Konjunktur und Wachstum nur mit geldpolitischen Mitteln wird am Ende kläglich scheitern, dazu bedarf es vieler anderer Politikbereiche. Schon jetzt ist in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit immer öfter von „Monetary Policy Impotence“ and „Quantitative Failure“ die Rede. Es liegt in der Hand der EZB dem entgegen zu treten.

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